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Einkommenssteuer

Der Einkommensteuertarif in Deutschland

Die meisten Bundesbürger müssen einen immer größeren Anteil ihres Einkommens an den Staat abgeben, was zunehmend für Unmut sorgt. In meinem heutigen Artikel möchte ich zeigen wie der Steuersatz in Deutschland mit zunehmenden Einkommen steigt. Außerdem werde ich erklären was der Grenzsteuersatz ist und was es mit dem Phänomen der kalten Progression auf sich hat.

Die Höhe der zu zahlenden Einkommensteuer ist in § 32a Einkommensteuergesetz (EStG) festgelegt. Grundsätzlich gilt, dass der Steuersatz mit zunehmendem Einkommen immer größer wird. Das bedeutet, dass die Steuerlast überproportional mit dem Einkommen steigt. Warum das so ist, erschließt sich mir nicht, schließlich werden so die Leistungsträger unserer Gesellschaft viel stärker „bestraft“, als Menschen, die unsere Gesellschaft nur in geringem Maße vorantreiben. In Abbildung 1 habe ich den derzeit geltenden Zusammenhang zwischen Einkommen und Steuersatz mit der durchgezogenen Linie dargestellt. Auf der waagerechten Achse ist das Einkommen für Singles eingetragen (für verheiratete Paare müssen diese Werte verdoppelt werden).

Abbildung 1: Steuersatz (durchgezogene Linie) und Grenzsteuersatz (gestrichelte Linie) nach § 32a EStG. Stand: 29.05.2020

Erkennbar ist, dass der Steuersatz mit zunehmenden Einkommen sehr schnell ansteigt. Um diese Steigerung besser analysieren zu können, ist in Abbildung 1 zusätzlich der sogenannte Grenzsteuersatz als gestrichelte Linie eingezeichnet. Dieser ist ein Maß für die Steigerung der Steuerlast mit zunehmenden Einkommen. Konkret sagt er aus um wie viel Euro sich die Einkommensteuer erhöht, wenn sich das Einkommen um einen zusätzlichen Euro erhöht.

Beispiel anhand des Medianeinkommens

2018 betrug das Medianeinkommen in Deutschland 24.636 € brutto [1]. Das bedeutet, dass es genauso viele Menschen gab die weniger verdient haben wie Menschen, die mehr bekommen haben. Das ergibt einen Steuersatz in Höhe von rund 15 %, was 3.611 € entspricht. Der Grenzsteuersatz beträgt hier rund 28 %, d.h. ein zusätzlicher Euro im Einkommen müsste mit 28 Cent versteuert werden.

Ich empfehle dringend, bei jeder Steuererklärung den Grenzsteuersatz zu berechnen, denn dieser Wert ist äußerst nützlich, um die Steuerlast aus zukünftigen Erträgen bzw. die Steuererleichterung aus Steuerabsetzungen zu bestimmen.

Jetzt wo wir wissen, was der Grenzsteuersatz ist, sollten wir noch einmal einen Blick auf Abbildung 1 werfen. Offenbar ist der Steuersatz immer geringer als der Grenzsteuersatz. Diese beiden Größen dürfen also auf keinen Fall verwechselt werden.

Kalte Progression: die Inflation treibt die Steuerlast hoch

Der in Abbildung 1 dargestellte Einkommenssteuertarif gilt bereits seit 2014, also seit sechs Jahren. Bei einer jährlichen Inflation in Höhe von 2 % entsteht in diesem Zeitraum eine Geldentwertung auf 88,5 %. Selbst wenn die Löhne im gleichen Maß steigen, ist die Inflation für die Bürger gefährlich, da sich die Steuerlast erhöht. In Tabelle 1 habe ich die für eine solche Inflation die Effekte der kalten Progression vorgerechnet.

Tabelle 1: Folgen der kalten Progression bei jährlicher Inflation von 2 %.
Meine liebsten YouTube-Kanäle

Meine liebsten YouTube-Kanäle

In diesem Artikel möchte ich Dir meine zehn Lieblings-Kanäle auf YouTube empfehlen. Da ich das Programm im klassischen Fernsehen meist primitiv und langweilig finde, schaue ich fast nur noch YouTube. Ich habe daher auch recht viele Kanäle abonniert. Allerdings ist mir die Auswahl meiner Lieblings-Kanäle nicht leichtgefallen. Ich habe daher eine Nutzwertanalyse gemacht und dazu das Excel-Tool benutzt, dass ich in diesem Artikel vorgestellt habe. Ich habe alle von mir abonnierten Kanäle anhand der Gesamtzahl der Abonnenten, der Zahl der Videos sowie den Aufrufen des beliebtesten Videos bewertet. Zusätzlich habe ich auf einer Skala von eins bis zehn den Mehrwert der Videos sowie den Einfluss der Kanäle auf mich bewertet. Da es sich in diesem Artikel um meine persönlichen Favoriten gehen soll, werde ich die letzten beiden Kriterien stärker gewichten als die harten Fakten der Kanäle.

Hier kommt meine TOP 10 der YouTube-Kanäle

Hier nun also meine persönliche Hitparade. Ich werde nicht weiter auf die Ermittlung der Ergebnisse eingehen, sondern lieber die Kanäle kurz vorstellen. Ich werde allerdings für jeden Kanal den von mir berechneten Nutzwert angeben, sodass Ihr einschätzen könnt, wie nahe der Kanal für mich an ein theoretisches Ideal herankommt. Übrigens habe ich mich selbst darüber erschrocken, dass so viele Finanz- und Wirtschaftskanäle, aber keine Technikkanäle in der TOP 10 gelandet sind 😊

Platz 10: Talerbox Invest Smart (Nutzwert: 40,0 %)

Auf dem Talerbox-Kanal dreht sich alles um das Thema Geldanlage. Der Autor Bastian Glasser vermittelt in einer angenehmen und leicht verständlichen Art Wissen zum Thema Wirtschaft und Investment. Vor allem für Investment-Einsteiger dürfte dieser Kanal sehr aufschlussreich sein, da Bastian Glasser es schafft, komplizierte Sachverhalte an Beispielen zu veranschaulichen. Dazu verzichtet er auf die Einblendung seines eigenen Bildes und setzt stattdessen auf hochwertig gestaltete Infografiken. Diese geben den Beiträgen auch immer einen gewissen Unterhaltungswert. Am besten gefällt mir sein Video der „5 Finanzfehler der Mittelschicht, mit denen man sich die Zukunft verbaut“. In meinem Ranking hat sich dieser Kanal für den zehnten Platz qualifiziert, da er mich vor allem bei den ersten Schritten meiner Geldanlage unterstützt und positiv beeinflusst hat. Entsprechend habe ich den Kanal bewertet.

Platz 9: Markus Elsässer (Nutzwert: 42,6 %)

Ein weiterer Investment-Kanal (es kommen auch noch ein paar weitere). Herrn Elsässer bewundere ich vor allem für seine sympathische und bodenständige Art. Dieser Mann hat nicht nur ein unglaublich umfangreiches Wissen, sondern hat in seinem Leben bestimmt so manches Pferd kotzen sehen und die entsprechenden Erfahrungen gemacht, die er mit seinen Zuschauern teilt. Herr Elsässer vertritt eher konservative Investment-Strategien. Er gibt viele Beispiele und Erfahrungen aus seinem Leben preis. Allerdings benötigen die Zuschauer des Kanals ein gewisses Grundverständnis über wirtschaftliche Prozesse und den Aktienhandel. Mein Lieblingsvideo auf seinem Kanal ist „Erfolg – Experte werden“, in dem er uns erklärt, wie wichtig es für die Karriere ist, Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln. In meiner Nutzwertanalyse hat sich Herr Elsässer den neunten Platz gesichert, weil er mit seinem Kanal einen besonders großen Mehrwert bietet.

Platz 8: Bodo Schäfer (Nutzwert: 44,5 %)

Bodo Schäfer ist sicherlich einer der bekanntesten Coaches und Persönlichkeitsentwickler Deutschlands. Zugegeben: bis vor einigen Jahren habe ich das Thema der Persönlichkeitsentwicklung als „Psychologie-bla-bla“ abgestempelt. Leider habe ich erst vor wenigen Jahren umgedacht und erkannt, wie wichtig es ist, sich eigene Ziele zu setzen, um im Leben voran zu kommen. Bodo Schäfer hat dafür einige extrem motivierende Videos produziert, die mir helfen mich aufzuraffen, wenn ich mich mies fühle. Außerdem gibt er interessante Tipps zum Vermögensaufbau. Mein Lieblingsvideo „Millionen oder Kaffee“ zeigt sehr anschaulich, wie Ihr leicht große Summen sparen könnt, wenn Ihr Eure regelmäßigen Ausgaben hinterfragt. Dies geht am besten mit einem Haushaltsbuch, wie ich es mal in diesem Artikel beschrieben habe. Mit derzeit 1,7 Mio. Abonennten ist der Kanal von Bodo Schäfer einer der größeren in meiner Wertung. Allerdings habe ich ihm auch überdurchschnittliche Bewertungen bezgl. des Mehrwertes sowie den Einfluss auf meine Persönlichkeit gegeben.

Platz 7: Finanzfluss (Nutzwert: 46,0 %)

Dieser Kanal hat starke Ähnlichkeiten mit dem Talerbox-Kanal, es ist also ein weiterer Investment-Kanal. Allerdings ist dieser besonders hochwertig gestaltet, da der Autor Thomas Kehl nicht nur auf wertvolle Infografiken setzt, sondern auch selbst in den Videos zu sehen ist. Ich finde, dass die Videos dadurch angenehmer zu schauen sind. Inhaltlich geht es vor allem um grundlegendes Finanzwissen. Allerdings gibt es seit einiger Zeit auch interessante Videos mit hochkarätigen Persönlichkeiten wie Gerd Kommer und Christian Rieck. Der Kanal entwickelt sich also weiter uns spricht nun auch zunehmend erfahrene Geldanleger an. Mein liebstes Video ist aber „Wie sollte man 1.000€ investieren?“, in dem vielfältige Möglichkeiten zur Geldanlage vorgestellt werden. Mit derzeit rund 388.000 Abonnenten gehört Finanzfluss auf jeden Fall zu den größeren Kanälen in meinem Ranking.

Platz 6: Homo Oeconomicus (Nutzwert: 46,5 %)

In den ersten Videos dieses Kanals ging es zwar ebenfalls um Geldanlage, mittlerweile ist der Kanal jedoch viel breiter aufgestellt. Das hängt sicherlich auch damit zusammen, dass sich das Leben des Autors Aaron (ich kenne leider seinen Nachnamen nicht) in den letzten Jahren massiv verändert hat. Er hat sich selbstständig gemacht und ist nach Georgien ausgewandert. Nun berichtet er in einer sehr sympathischen und authentischen Weise von seinen Erfahrungen. Hier geht es also um Finanz- und Wirtschaftsthemen, aber auch Politik spielt gelegentlich eine Rolle. Auch die Themen Zielsetzung und Persönlichkeitsentwicklung werden behandelt. Interessante Mischung auf jeden Fall. Ehrlich gesagt wünschte ich mir, dass ich in dem Alter von Aaron bereits so reif und erfahren gewesen wäre. Aus meiner Sicht ist das gelungenste Video „3 Gründe warum junge Leute nicht vorankommen!“, in dem er jungen Menschen mangelnden Geschäftssinn vorwirft und zeigt, wie es besser gehen könnte. Die vermittelten Gedanken zum Thema Unternehmertum haben mich massiv positiv beeinflusst, was letztlich auch den Kanal auf den sechsten Platz katapultiert hat.

Platz 5: Mission Money (Nutzwert: 48,8 %)

Der Kanal von Mario Lochner bietet vor allem interessante Interviews mit hochkarätigen Persönlichkeiten aus dem Wirtschafts- und Börsenleben. Die Redaktion hängt am Focus Money und bietet auch immer wieder interessante Statistiken. Vor allem das sympathische Auftreten von Mario Lochner und die exzellent vorbereiteten Streitgespräche machen diesen Kanal besonders sehenswert. Bis vor einiger Zeit wurde der Kanal zusätzlich von Timo Baudzus moderiert. Da gab es auch noch das „Börsianische Quartett“, dessen zweite Folge mir besonders gut gefallen hat. Selten habe ich so viele intelligente Menschen in einer gemeinsamen Diskussionsrunde erlebt. Im TV bekommt man sowas jedenfalls nicht…

Platz 4: Lukas Hopetzki (Nutzwert: 50,6 %)

In diesem Video geht es um Motivation, Disziplin, Zielsetzung und Persönlichkeitsentwicklung. Die Reden verschiedener Speaker, Coaches und Ratgeber werden zu sehr bewegenden Videos geschnitten. So manches mal haben mir diese Videos die Kraft gegeben, meinen Hintern zu bewegen, um an meinen Zielen zu arbeiten. Mittlerweile höre ich die Audiotracks der Videos gerne auf dem Weg zur Arbeit. Bei diesem Kanal fällt es mir besonders schwer ein Lieblingsvideo zu benennen. Je nach Gemütslage können unterschiedliche Videos hilfreich sein. Am meisten geholfen hat mir aber das Video „Leben“, das uns auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben hinweist. Die Tatsache, dass die Beiträge dieses Kanals wirklich in vielen Lebenslagen hilfreich sind, haben zu einer guten Platzierung in meiner Nutzwertanalyse geführt. Trotzdem hat es nur für den undankbaren vierten Platz gereicht. Kommen wir daher nun zur TOP 3.

Platz 3: Aktien mit Kopf (Nutzwert: 52,4 %)

Auf diesem Kanal geht es um viel mehr als der Titel vermuten lässt. Eigentlich ist es schon fast ein Philosophie-Kanal, in dem der Autor Kolja Barghoorn seine Sicht auf Wirtschaftssysteme und Politik erläutert und uns dazu einen vernünftigen Umgang mit Geld beibringt. Nebenbei geht es auch um Börse und Aktien 😊 Es werden aber auch andere Assetklassen wie P2P-Kredite, Edelmetalle, Immobilien und vieles mehr besprochen. Kolja ist mittlerweile nach Mallorca ausgewandert und hat sich dort selbstständig gemacht hat. Der Kanal zeichnet sich durch eine sehr humoristische Art aus, sodass ich mich auch immer bestens unterhalten fühle. Hier möchte ich Euch das Video „Die 80-jährige Aktienmillionärin Beate Sander im Interview!“ empfehlen. Da Aktien mit Kopf auf jeden Fall zu den größeren YouTube-Kanälen in meinem Ranking gehört und mir die Inhalte enorm geholfen haben, geht die Bronzemedaille ganz zu Recht an diesen Kanal.

Platz 2: Jared Halley (Nutzwert: 66,3 %)

Hier kommt zur Abwechslung mal ein künstlerischer YouTube-Kanal. Jared Halley singt weitestgehend a cappella und interpretiert damit bekannte Musikstücke völlig neu. Grundsätzlich gefallen mir Umsetzungen moderner Songs mit klassischen Instrumenten bzw. a cappella sehr. Häufig werden verschiedene Songs der gleichen Band in einem Video zu einer interessanten Mischung kombiniert. Besonders unterhaltsam ist auch, dass das Videobild in mehrere (meistens 20) Einzelbilder geteilt ist, in denen wir den Sänger bei der Aufnahme der einzelnen Tonspuren beobachten können. Daraus lässt sich auch ableiten, welch enormer Aufwand hinter den einzelnen Videos steckt. Besonders gefallen hat mir die Umsetzung verschiedener Songs von Linkin Park, da ich es nicht für möglich gehalten hätte, dass das so gut ohne Instrumente möglich ist. Der Kanal von Jared Halley hat nicht nur die meisten Abonnenten in meinem Ranking, sondern beinhaltet auch das am häufigsten aufgerufene Video. Damit landet dieser völlig zu Recht auf dem zweiten Platz.

Es gibt allerdings einen Youtuber, der alles bis hierhin Besprochene in den Schatten stellt. Sein Name lautet…

Platz 1: Horst Lüning (Nutzwert: 72,6 %)

Dieser Kerl ist der Hammer! Das Allgemein- und Fachwissens dieses YouTubers scheint kaum eine Grenze zu kennen. Sein Schwerpunkt liegt auf technischen und finanzwirtschaftlichen Themen. Da er Tesla-Fahrer ist, dreht er auch gerne Videos über die Elektromobilität. Interessant ist, dass er bei seiner Argumentation häufig auf Naturgesetze zurückgreift, um uns zu zeigen, wie diese unseren Alltag bestimmen. Eigentlich ist es gar nicht möglich ein einzelnes Video aus diesem Kanal als das Beste zu benennen. Vielmehr möchte ich an dieser Stelle das Gesamtwerk von Horst Lüning würdigen. In knapp 1.800 Videos hat er seine persönliche Sicht auf die Welt erklärt und damit ein umfassendes in sich plausibles Weltbild kreiert. Regelmäßig arbeitet er die Vorzüge der freien Marktwirtschaft heraus und gibt uns zudem Einblicke in seine Vorstellungen von der Zukunft. In diesem Zusammenhang ist das Video „Die großen Trends der nächsten 100 Jahre“ besonders sehenswert. Da mich dieser Kanal so stark geprägt hat wie kein anderer, bekommt er sowohl für den Mehrwert als auch für den Einfluss auf meine Persönlichkeit die maximale Bewertung.

Nutzwertanalyse

Bessere Entscheidungen treffen mit der Nutzwertanalyse

Stehst Du vor einer (folgen-)schweren Entscheidung? Du weißt nicht was Du tun sollst? Es gibt zu viele Möglichkeiten und zu viele Bedingungen zu berücksichtigen? Dann ist die Nutzwertanalyse (NWA) genau das richtige für Dich! In diesem Artikel erfährst Du, wie sie funktioniert und Du bekommst am Ende des Artikels ein kostenloses Excel-Tool zum Download angeboten.

Worum geht es bei der NWA?

Die Methode, die ich Dir vorstellen möchte eignet sich vor allem für folgenschwere Entscheidungen bei denen Du viele Handlungsalternativen und / oder viele Aspekte berücksichtigen musst. Da die Durchführung mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, solltest Du sie daher nicht für einfache Entscheidungen mit geringer Tragweite einsetzen. Bei solchen Problemen kann ggf. eine einfache Pro-Contra-Liste hilfreich sein.

Die NWA dagegen ist ein Vorgehen, bei dem die möglichen Optionen anhand definierter Kriterien bewertet werden. Die einzelnen Kriterien können auch unterschiedlich stark gewichtet werden, wenn sie eine unterschiedlich starke Bedeutung für den Anwender der NWA haben. Für jede Handlungsalternative ergibt sich so eine Gesamtwertung, die ich im Folgenden „Nutzwert“ nennen werde. Je höher der Nutzwert, desto besser die Lösung. Die Höhe des Nutzwertes sagt etwas darüber aus, wie gut die Alternativen einer optimalen Lösung entsprechen. Ein Nutzwert von 100 % bedeutet, dass dies die beste Entscheidung hinsichtlich aller Kriterien ist (es gibt also kein Kriterium, bei dem eine andere Alternative besser abschneidet). Ein Nutzwert von 0 % dagegen würde auf die größtmöglichen Nachteile hinweisen.

Praxisbeispiel: die Wahl eines Ausbildungsberufs

Ich möchte das detaillierte Verfahren nun anhand eines Beispiels erklären. Betrachten wir dazu Mario, der sich gegen Ende seiner Schulzeit fragt, welchen Ausbildungsberuf er wählen soll. Er hat bereits eine Vorauswahl getroffen und schwankt nun zwischen den Berufen Maurer, Klempner, Industrieelektriker, Dachdecker und Maler. Als Kriterien für seine Entscheidung will er das Gehalt im ersten Lehrjahr, das Gehalt als Geselle, die Ausbildungsdauer, die ungefähre Anzahl freier Stellen, sein persönliches Interesse sowie seine Begabung für den Beruf berücksichtigen. Die letzten beiden Kriterien bewertet er mit ein bis fünf Punkten, für alle weiteren Kriterien hat er Zahlen im Internet recherchiert. Diese sind in Tabelle 1 dargestellt. Beachte, dass die Zahl der Ausbildungsjahre als negative Zahlen dargestellt sind, weil hier die Bewertung umgekehrt ist (je mehr Jahre, desto schlechter).

Außerdem muss sich Mario überlegen, wie er die Kriterien gewichten will. Um die Entscheidung möglichst objektiv zu gestalten, kann er jede Kombination aus zwei der sechs Kriterien betrachten und entscheiden, was ihm wichtiger ist. Die meisten Kriterien sind Mario gleich wichtig, aber er legt besonderen Wert darauf, dass es viele freie Stellen gibt und dass sein zukünftiger Beruf seinen persönlichen Interessen entspricht. In Tabelle 2 sind die einzelnen Vergleiche zwischen den Kriterien dargestellt. Daraus ergibt sich die Gewichtung der Kriterien aus Abbildung 1.

Tabelle 1: Fiktive Bewertungen der Ausbildungsberufe.
Tabelle 2: Vergelich der Kriterien zur Gewichtung.

Abbildung 1: Gewichtung der Bewertungskriterien als Ergebnis aus Tabelle 2.

Nun stellt sich die spannende Frage, welcher Ausbildungsberuf für Mario am besten geeignet ist. Dazu wird in meinem Excel-Tool der Nutzwert berechnet. Je höher dieser ist, desto besser ist die entsprechende Handlungsalternative. Zur schnelleren Erkennbarkeit gibt das Tool auch die Rangfolge der Alternativen an. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 dargestellt. Hier können wir erkennen, dass Mario – wie sollte es anders sein – Klempner werden sollte.

Tabelle 3: Nutzwert und Rang der bewerteten Ausbildungsberufe.

Damit sich Mario noch einmal die Folgen seiner Entscheidung bewusst machen kann, erstellt das Excel-Tool ihm ein Netzdiagramm, dass ich in Abbildung 2 dargestellt habe. Jede farbige Linie steht für eine Handlungsalternative. Jede Ecke des Netzes steht für ein Bewertungskriterium. Betrachten wir mal die orangene Linie, die für den Ausbildungsberuf des Klempners steht etwas genauer. In den Kategorien Talent und Interesse steht diese Linie bei 1. Das bedeutet, dass der Beruf des Klempners für diese Kategorien die beste Handlungsalternative darstellt. Leider können wir auch erkennen, dass die orangene Kurve bei den Kriterien der freien Stellen, der Ausbildungsdauer sowie dem Gehalt nach der Ausbildung sehr weit im inneren Bereich des Diagramms läuft. Für diese Kriterien ist der Klempnerjob eine schlechte Option. Beim Ausbildungsgehalt zeigt die orangene Linie einen Wert von 0,94. Dieses Gehalt entspricht also 94 % vom höchsten Ausbildungsgehalt aller betrachteten Berufe.

Abbildung 2: Netzdiagramm der Handlungsoptionen.

Ich hoffe, dass ich an diesem Beispiel das Konzept der NWA sowie die Funktionsweise meines Excel-Tools verdeutlichen konnte. Meiner Meinung nah liegt der größte Vorteil darin, Entscheidungen von hoher Komplexität zu vereinfachen und objektiver zu Gestalten. Allerdings gehen die persönlichen Vorlieben und Präferenzen nicht verloren, da eine unterschiedlich starke Gewichtung der Bewertungskriterien möglich ist. Ich werde demnächst mal eine etwas umfangreichere Nutzwertanalyse durchführen, um verschiedene PKW-Antriebskonzepte zu vergleichen.

Die frohe Botschaft

Die frohe Botschaft KW 20/2020

Auch heute würde ich wieder gerne über positive Entwicklungen in der Welt berichten. Leider fehlte mir mal wieder etwas die Zeit, um mehrere Themen zu erarbeiten. Dabei gäbe es so viel Gutes zu berichten, wie zum Beispiel das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Anleihekäufen der EZB.

Stattdessen möchte ich wie üblich nur kurz auf die aktuellen Corona-Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) eingehen, diese mit meiner Prognose der letzten Woche vergleichen und eine neue Prognose für die kommende Woche abgeben. Ich betrachte dabei Gesamtzahl aller jemals als infiziert gemeldeten Personen in Deutschland. Letzte Woche hatte ich diesen Wert auf 168.390 bis 171.973 Infizierte geschätzt. Tatsächlich wurden bis heute laut RKI 171.306 Personen als erkrankt gemeldet. Ich habe mit meiner Schätzung also nur knapp richtig gelegen. Dass die tatsächliche Zahl der gemeldeten Fälle diesmal im oberen Bereich meiner Schätzung liegt, führe ich auf die ersten Lockerungen der Infektionsschutzmaßnahmen zurück. Insgesamt haben sich in der vergangenen Woche 6.499 Menschen infiziert. Ich gehe wieder davon aus, dass auch in der kommenden Woche höchstens so viele Menschen erkranken wie in den vergangenen sieben Tagen. Damit kämen wir für nächsten Mittwoch auf maximal 177.805 gemeldete Fälle. Offenbar muss ich jedoch meinen Optimismus bezgl. des unteren Schätzwertes etwas zügeln. Ich gehe daher davon aus, dass wir in der kommenden Woche noch mindestens 75 % der Neuinfektionen aus der Vorwoche sehen werden, also 4.874 Personen, was einer Gesamtzahl von mindestens 176.806 Infizierten entspricht.

Sozialismus macht arm und tötet

Sozialismus macht arm und tötet

Im heutigen Artikel möchte ich mich einmal mit den gefährlichen Folgen sozialistischer Ideen beschäftigen. Bereits in meinem Beitrag zum 1. Mai habe ich ja angedeutet, dass ich von roten Ideen wenig halte und habe diese auf eine humoristische Art aufgegriffen. Jetzt wird es ernster und ich werde anhand einiger Statistiken die katastrophale Folgen von roten Ideologien nachweisen.

Was ist Sozialismus?

Zuerst sei erwähnt, dass es für mich keinen wesentlichen Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus gibt. Es sind nur zwei verschiedene Wörter, deren Bedeutung auf die gleiche Weise ins Elend führt. Wer nun meint, dass ich ganz am rechten Rand des politischen Spektrums zuzuordnen sei, der irrt. Ich bin ein freiheitlich denkender Mensch. Wie der Name schon sagt, sind Nationalsozialisten dagegen auch nur Sozialisten. Die Wirtschaftspolitik des dritten Reichs mit Gleichschaltung, Planwirtschaft usw. hatte viele Gemeinsamkeiten mit dem, was die Bürger der ehemaligen DDR erleiden mussten. Der größte Unterschied ist, dass Nationalsozialisten fremde Länder ausbeuten wollen, während Sozialisten die eigenen Landsleute ausrauben. Die Intention aber ist die gleiche: es ist nun einmal einfacher anderen Menschen etwas wegzunehmen, als selbst Wohlstand zu erarbeiten.

Das Wirtschaftssystem der (National-)Sozialisten zeichnet sich vor allem durch planwirtschaftliche Organisation aus. Es gibt kaum wirtschaftliche Freiheit. Alle Verteilungsfragen werden nicht durch den Markt, sondern durch politische Gremien entschieden. Es gibt keine oder nur eine mangelhafte Rechtsstaatlichkeit, bei Bedarf enteignet der Staat seine Bürger. Die Menschen dürfen ihren Arbeitsplatz nicht frei wählen. Es gibt nur einen stark eingeschränkten Handel mit dem Ausland.

Um zu beziffern, wie stark der Sozialismus in einzelnen Ländern bereits Einzug erhalten hat, betrachte ich im Folgenden den Index für wirtschaftliche Freiheit, der durch die Heritage Foundation berechnet wird. Dieser Index legt die Kriterien Rechtsstaatlichkeit, Eingriffe des Staates in die Wirtschaft, Regulierungen und Offenheit der Märkte zugrunde. Eine Bewertung mit 100 steht für eine völlig freie Wirtschaft, während eine Wertung von 0 einer Sklaventreiberei entspricht. In Tabelle 1 sind die Werte aus 2018 dargestellt.

Tabelle 1: Index der wirtschaftlichen Freiheit. Quelle (Stand: 12.05.2020)

Auf den ersten Blick erkennen wir, dass solche Länder, die wir typischerweise mit sozialistischen Systemen einen sehr niedrigen Indexwert erhalten haben, während marktwirtschaftlich geführte Staaten die höchsten Werte bekommen haben. Der Index für wirtschaftliche Freiheit scheint also ein guter Maßstab für sozialistische Tendenzen der einzelnen Länder zu sein.

Wirtschaftliche Folgen mangelhafter Freiheit

Als nächstes möchte ich zeigen, wie die wirtschaftliche Freiheit mit dem Wohlstand einer Gesellschaft zusammenhängt. Dazu habe ich in Abbildung 1 das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner in Abhängigkeit vom Index der wirtschaftlichen Freiheit dargestellt. Jeder Punkt steht für ein Land der Welt. Der rote Punkt stellt die Werte für Deutschland dar. Natürlich hängt der wirtschaftliche Erfolg einzelner Länder von viel mehr Faktoren als der Freiheit ab. Daher erkennen wir in dem Diagramm auch eine starke Streuung. Allerdings lässt sich durchaus die Tendenz erkennen, dass die Wirtschaftskraft pro Kopf überproportional mit der wirtschaftlichen Freiheit wächst.

Abbildung 1: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (kaufkraftbereinigt) in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Freiheit. Roter Punkt: Deutschland. Quelle (Stand: 12.05.2020)

Welche wirtschaftlichen Chancen hätte Deutschland, wenn es mehr Freiheit gäbe? Wir erkennen, dass Deutschland im Vergleich zu Ländern mit einem ähnlichen Index der wirtschaftlichen Freiheit ein durchschnittliches BIP pro Einwohner erwirtschaftet. Wir sollten uns also vor allem auf Staaten schauen, die ebenfalls im mittleren Bereich der Streuung liegen. Irland zum Beispiel hat einen Indexwert von 80,4 und erwirtschaftet ein BIP in Höhe von knapp 80.000 $ pro Einwohner. Deutschland dagegen hat nur einen Indexwert von 74,2 und erwirtschaftet daher auch nur ein BIP von rund 52.000 $ pro Einwohner. Ich schätze also, dass die staatlichen Eingriffe und Regulierungen, die unsere Freiheit behindern, jeden Einwohner der Bundesrepublik rund 28.000 $ pro Jahr kosten, was nach heutigem Umrechnungskurs etwa 2.150 € pro Monat entspricht.

An dieser Stelle wird häufig argumentiert, dass die zusätzliche Wirtschaftskraft durch weniger Regulierung bzw. staatliche Eingriffe nur der Oberschicht zugutekäme („die Reichen werden immer reicher“). Schauen wir uns dazu den Einfluss wirtschaftlicher Freiheit auf den weniger wohlhabenden Teil der Bevölkerung an. In Abbildung 2 ist der Bevölkerungsanteil, der ein Vermögen unterhalb von 10.000 $ hat, in Abhängigkeit von dem Index der wirtschaftlichen Freiheit dargestellt. Jedes Land wird wieder durch einen Punkt dargestellt, Deutschland wird durch einen roten Punkt repräsentiert. Ähnlich wie in Abbildung 1 sehen wir auch hier eine starke Streuung, da die Vermögensverteilung natürlich noch von vielen weiteren Faktoren abhängig ist. Aber auch hier können wir eine Tendenz erkennen. Je höher die wirtschaftliche Freiheit, desto wohlhabender ist die Gesellschaft als Ganzes.

Abbildung 2: Anteil der Bevölkerun mit Vermögen unter 10.000 $ in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Freiheit. Roter Punkt: Deutschland. Quelle (Stand: 12.05.2020)

Wenn wir uns im Umkehrschluss also dem (National-)Sozialismus zuwenden und die Freiheit stark einschränken, werden wir also nicht nur das erwirtschaftete Einkommen reduzieren, sondern vor allem die ärmsten Menschen unserer Gesellschaft bestrafen.

Zusammenhang von Freiheit und Gesundheit

Da aus meiner Sicht Gesundheit noch wichtiger ist als finanzieller Wohlstand, möchte ich nun untersuchen, ob es auch einen Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung und der wirtschaftlichen Freiheit gibt. Natürlich ist anzunehmen, dass hier ein Zusammenhang besteht, denn wohlhabende Menschen können sich eine bessere medizinische Versorgung leisten. Schließt ein Land dagegen seine Grenzen und schränkt somit die Handelsfreiheit ein, kann es nicht einmal Medikamente aus dem Ausland importieren. In Abbildung 3 habe ich daher Lebenserwartung (Mädchen und Jungen) in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Freiheit dargestellt. Deutschland wird wieder durch den roten Punkt dargestellt.

Abbildung 3: Lebenserwartung in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Freiheit. Roter Punkt: Deutschland. Quelle (Stand:12.05.2020)

Dieses Diagramm zeigt uns die größten Streuungen von allen Abbildungen in diesem Artikel. Allerdings ist erkennbar, dass die Unterschiede zwischen den Ländern mit zunehmender wirtschaftlicher Freiheit immer geringer werden. Ab einem Indexwert von ca. 70 findet ein „Sprung“ statt, sodass alle Länder mit einem höheren Indexwert eine Lebenserwartung von mehr als 74 Jahren vorweisen können. Leider scheint die Lebenserwartung mit zunehmender Freiheit immer langsamer anzusteigen. Allerdings wäre aus meiner Sicht in Deutschland eine Steigerung von ca. zwei Jahren durch Lockerung der Regulierungen und Staatseingriffe durchaus möglich. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass wir mit dem Indexwert nicht unter 70 fallen, denn ab dieser Stelle geht es mit der Lebenserwartung massiv bergab.

Staatsfunk-Index

Der Staatsfunk-Index

Als freiheitsliebender Mensch passt es mir natürlich überhaupt nicht in den Kram, dass wir gesetzlich zu Abgaben für den sogenannten öffentlich-rechtlichen Rundfunk (ÖR) gezwungen werden. In diesem Artikel möchte ich zeigen, wie uns die Kosten für die Staatsmedien aus dem Ruder laufen. Allerdings werde ich nicht für eine generelle Abschaffung der öffentlich-rechtlichen Sender plädieren, sondern möchte ein alternatives Bezahlsystem vorschlagen.

Die Kernaufgabe öffentlich-rechtlicher Medien

Schauen wir uns zunächst einmal an wie die ÖR entstanden ist. 1950 wurde die ARD mit den zugehörigen Landesanstalten gegründet, sodass die deutsche Bevölkerung Zugang zu Informationen über Radio und Fernsehen erhielt. Da der private Rundfunk erst ab 1981 erlaubt wurde, kamen private Fernsehsender erst ab 1984 hinzu. Seitdem entwickelte sich unsere Medienlandschaft zu dem, was wir heute kennen. Da in den 50er Jahren die Fernsehtechnik sehr teuer war, ist es durchaus nachvollziehbar, dass der Staat eine Rundfunkanstalt unterhält, um alle Bürger mit Informationen zu versorgen. Heute ist die Situation aber eine andere, denn die Privatsender wachsen wie Pilze aus dem Boden.

Was kostet uns der ÖR? Für diese Frage habe ich mir eine Kennzahl überlegt, die ich den Staatsfunk-Index nenne. Dazu betrachte ich die Einschaltquoten der beiden großen Nachrichtensendungen „Tagesschau“ (die 20 Uhr-Ausgabe) sowie „ZDF heute“ (die 19 Uhr-Ausgabe). Weitere Sendungen wie Tatort, Traumschiff oder Florian Silbereisen lasse ich außer Acht, da sie nichts mit einer Informationsversorgung der Bevölkerung zu tun haben und daher nicht die Aufgabe der ÖR sind. Die Summe aus Tagesschau- und heute-Zuschauern setze ich ins Verhältnis zu den jährlich erhobenen GEZ-Gebühren. Damit der so berechnete Wert etwas anschaulicher wird, teile ich diesen Wert noch durch die Anzahl der Tage des Jahres. Mein Staatsfunk-Index entspricht also der täglichen Kosten pro Zuschauer der beiden großen Nachrichtensendungen. Die genauen Werte sind in Abbildung 1 dargestellt. Zum Nachrechnen gibt es am Ende des Artikels auch wieder eine Excel-Tabelle zum kostenlosen Download an.

Abbildung 1: Der Staatsfunk-Index als Kosten pro großer Nachrichtensendung und Zuschauer (blau) sowie die Inflationsrate seit 2002 zum Vergleich (organge). (Quelle Tagesschau, Quelle ZDF heute, Quelle GEZ-Erhebungen, Quelle Inflation, alle Stand 10.05.2020)

Die blaue Kurve stellt den zeitlichen Verlauf des Index dar. Zum Vergleich habe ich mit der orangenen Linie die Entwicklung der Inflation seit 2002 dargestellt. Wir erkennen, dass der Index stärker ansteigt als die Inflationsrate. Das bedeutet, dass der ÖR immer mehr Geld für Dinge auszugeben scheint, die überhaupt nicht seine Aufgabe sind. Klar, der Bürger kann sich ja nicht wehren.

Alternative Möglichkeiten für den ÖR

Prinzipiell wären mir die Kosten für einen ÖR egal. Schlimm ist jedoch, dass die Menschen gezwungen werden, die Kosten zu tragen, obwohl sie gar keine öffentlich-rechtlichen Medien schauen bzw. anhören. Viele Bürger fordern daher eine Vollständige Abschaffung der ÖR mit dem Argument, dass Privatsender die entstehende Marktlücke schließen würden. Das ist sicherlich richtig, aber dennoch möchte ich an dieser Stelle einen anderen Vorschlag unterbreiten. Wie wäre es mit einem Pay-TV Modell? So wären die Sender des ÖR in bekannter Forme weiterhin verfügbar und die Kosten würden nur von denjenigen getragen werden, die das Angebot tatsächlich nutzen möchten. Durch den technischen Fortschritt ist so ein Modell problemlos umzusetzen, eine pauschale Abgabe, die in meinen Augen eine Steuer ist, wäre nicht mehr erforderlich. Allerdings würde sich wahrscheinlich ein weiteres Mal herausstellen, dass der Staat der schlechtere Unternehmer ist und sich mit seinen Angeboten im freien Wettbewerb nicht durchsetzen kann.

Voraussichtlich im Juli wird der GEZ-Geschäftsbericht für das Kalenderjahr 2019 erscheinen. Dann wissen wir die genauen Beitragserhebungen aus dem vergangenen Jahr. Wenn es soweit ist, werde ich den entsprechenden Indexwert berechnen und ein kleines Update zu diesem Artikel verfassen.

Bundestagswahlen

Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre…

In diesem Artikel möchte ich die aktuellen Umfrageergebnisse zur sogenannten Sonntagsfrage untersuchen und ein entsprechendes Excel-Tool zur Verfügung stellen, welches Ihr Euch wie immer am Ende dieses Artikels kostenfrei herunterladen könnt. Bei der Sonntagsfrage werden Personen gefragt, welche Partei sie mit der Zweitstimme wählen würden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären. Die Umfrageergebnisse aller großen Umfrageinstitute werden regelmäßig auf https://www.wahlrecht.de/umfragen/ veröffentlicht.

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen

Bevor wir in die weitere Analyse einsteigen, werfen wir einen Blick auf die aktuellen Umfragewerte, die ich in Tabelle 1 dargestellte habe. Als kleiner Disclaimer sei gesagt, dass ich weder Mitglied noch Sympathisant einer der im Bundestag vertretenen Parteien bin. Dennoch beteilige ich mich an den Wahlen, um für das geringste Übel zu stimmen. Ginge es nach mir würden wir unser Parlament erst einmal auf 200 Mandate verschlanken und eine maximale Mandatsdauer von zwei Legislaturperioden vorschreiben, sodass keine Berufspolitiker, sondern erfolgreiche Menschen aus der Praxis unser Land regieren. Aber ich schweife ab…

Tabelle 1: Aktuelle Umfrageergebnisse zur Sonntagsfrage. Quelle (Stand: 09.05.2020)

Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 hat die Union um etwa 5 % zugelegt. Die größten Gewinner sind jedoch die Wohlstands-Verhinderer der Grünen mit rund 8 %. Alle anderen Parteien haben in den letzten zwei Jahren Wählerstimmen verloren. Da die Ergebnisse der verschiedenen Umfrageinstitute natürlich ein wenig voneinander abweichen, werde ich nachfolgend die Mittelwerte aus Tabelle 1 benutzen. Dazu fragt mein Excel-Tool automatisch die neusten Umfrageergebnisse von der o.g. Website ab und berechnet die in Tabelle 2 dargestellten Mittewerte. Außerdem erfolgt eine Prüfung ob ggf. eine der aufgeführten Parteien an der 5 %-Hürde scheitert. Das Tool geht davon aus, dass alle Parteien, die unter „Sonstige“ zusammengefasst werden, unter 5 % liegen und somit ebenfalls nicht in den Bundestag einziehen können. Damit lässt sich berechnen, wie viel Prozent benötigt werden, um die absolute Mehrheit zu bekommen. Wir erkennen, dass die FDP nur sehr knapp über 5 % liegt. Würde sie ein weiteres Prozent der Stimmen verlieren, hätte dies auch Auswirkungen auf die notwendigen Stimmen für eine absolute Mehrheit. Um dies zu verdeutlichen, habe ich in Tabelle 3 der FDP 1 % abgezogen und die Werte der anderen fünf Parteien um je 0,2 % erhöht. Nun sind nur noch rund 44,8 % anstatt 47,1 % für eine absolute Mehrheit erforderlich.

Tabelle 2: Mittelwerte der Umfrageergebnisse.
Tabelle 3: Alternatives Szenario mit FDP unter 5 %.

Welche Koalitionen sind möglich?

Nun interessiert uns natürlich, welche Parteien in einer Koalition gemeinsam die absolute Mehrheit erreichen können. Dazu werde ich nachfolgend sowohl die „echten“ Daten aus Tabelle 2 als auch das alternative Szenario ohne FDP aus Tabelle 3 betrachten. In der nachfolgenden Tabelle sind die Kombinationen von zwei Koalitionspartnern dargestellt (auch wenn es nicht ganz korrekt ist, zähle ich CDU und CSU als eine Partei). Die grün markierten Zellen weisen auf Koalitionen hin, die rechnerisch die absolute Mehrheit erwirken können. In Tabelle 4 findest Du die Ergebnisse aus den originalen Umfragedaten und in Tabelle 5 analog das alternative Szenario ohne die FDP.

Tabelle 4: Mögliche Koalitionen (grün) auf Grund der originalen Umfrageergebnisse.
Tabelle 5: Mögliche Koalitionen (grün) im alternativen Szenarion ohne die FDP.

Wir erkennen, dass durch das Ausscheiden der FDP eine weitere Koalition zwischen Union und Linkspartei möglich wird. Eine solche Allianz wäre sicherlich verstörend, aber angesichts der Vorfälle nach der Landtagswahl in Thüringen sicher nicht undenkbar. In dem Excel-Tool gibt es außerdem die Möglichkeit alle Kombinationen von drei Parteien durchzurechnen. Allerdings wird die Tabelle dadurch sehr groß, sodass ich sie hier nicht darstellen möchte.

Meine Meinung zu unserer Parteienlandschaft

Abschließend möchte ich einen kleinen Kommentar zu den von mir favorisierten Koalitionen. Ich hatte bereits erwähnt, dass mich keine der im Bundestag vertretenden Parteien überzeugt. Die AfD legt zwar häufig den Finger zu Recht in die Wunden der etablierten Parteien, fordert aber auch die Wiedereinführung der Wehrpflicht und hat einige wenige politische Spinner in ihren Reihen. Die Union, für die Internet Neuland ist, ist nur darauf bedacht, das Geld den Großkonzernen zuzuschieben, vernachlässigt aber die innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie die Forschung an Zukunftsthemen. Die FDP ist zwar nicht ganz so konservativ, aber für eine echte liberale Partei dann doch nicht freiheitsliebend genug. Wenn es hart auf hart kommt, fügt sie sich doch wieder dem Willen der altmodischen Union. SPD, Grüne und Linkspartei bilden für mich einen gemeinsamen sozialistischen Block, in dem es kaum Unterschiede gibt. Alle drei Parteien sind darauf bedacht, den Wohlstand schaffenden Menschen in unserer Gesellschaft Steine in den Weg zu legen und die Planwirtschaft in Deutschland weiter zu etablieren. Welche Partei wähle ich also? Ich nehme die Partei, die eine Bildung von Koalitionen erschwert. In diesem Fall wäre es die FDP, damit das von mir skizzierte Alternativszenario nicht eintritt. Ich möchte damit erreichen, dass es nach der Wahl möglichst lange dauert, bis sich eine Koalition gebildet hat, die neue Schwachsinns-Gesetze über uns ausschütten kann. Meine Idealvorstellung wäre eine Minderheitsregierung. Ich bin davon überzeugt, dass in wirklich schweren Krisen auch Parlamente mit Minderheitsregierungen Mehrheitsbeschlüsse erzielen können, aber eben nur für wirklich wichtige Maßnahmen in dringenden Fällen. Das bedeutet natürlich, dass unsere Abgeordneten wieder ernsthaft miteinander diskutieren müssten, anstatt Ideologien der regierenden Parteien politisch durchzudrücken.

Kuppelproduktion

Kuppelproduktion Teil 2: Weitere Beispiele und Erkenntnisse

Nachdem ich im ersten Teil zum Thema Kuppelproduktion gezeigt habe, wie die Naturgesetze unser Konsumverhalten bestimmen, möchte ich in diesem Teil zwei weitere Beispiele für solche Herstellungsprozesse aufzeigen. Anhand dieser Beispiele möchte ich zum einen physikalische Wirkungsgrade und zum anderen den Einfluss unterschiedlicher Marktstrukturen erläutern.

 Kuppelproduktionen zeichnen sich dadurch aus, dass neben dem Hauptprodukt noch weitere Nebenprodukte in einem festen Mengenverhältnis zum Hauptprodukt entstehen. Im Teil 1 hatte ich am Beispiel der Erdölerzeugnisse erläutert, dass diese Produkte in dem Mengenverhältnis konsumiert werden, wie sie produziert werden. Ändert sich das Konsumverhalten (bspw. durch den Verzicht von Dieselkraftstoff im Straßenverkehr) hat dies Auswirkungen auf die Preise der übrigen Kuppelprodukte, da der Hersteller die Umsätze aller Produkte in einer Gesamtkostenrechnung betrachtet. Ein neues Preisverhältnis stellt sich ein, sodass der Konsum wieder dem Mengenverhältnis der Kuppelprodukte entspricht.

Ein Kernkraftwerk als Beispiel für Kuppelproduktion

In diesem Beispiel möchte ich die wesentlichen Material- und Energieströme in einem Kernkraftwerk betrachten. Im Wesentlichen wird hier spaltbares Material (z.B. Uran) in Elektrizität, Wärme und unterschiedliche Sorten von Atommüll verarbeitet. Abbildung 1 zeigt die wesentlichen Prozesse zur Erzeugung von 1 GW Elektrizität. Die gelben Felder weisen auf (Neben-) Produkte hin.

Abbildung 1: Wesentliche Material- und Energieflüsse zur Produktion von 1 GW elektrischer Leistung in einem Kernkraftwerk. Quelle [1]

Neben der gewünschten Produktion elektrischer Energie entstehen vor allem radioaktive Abfälle, die besonders kritisch zu sehen sind, da sie aufgrund ihrer hohen Halbwertszeiten für einen unüberschaubaren Zeitraum weiter strahlen werden. Außerdem entsteht, wie auch bei anderen Kraftwerken, mehr Abwärme als Elektrizität, da nur ein geringer Teil im Kraftwerk erzeugten Wärme in Elektrizität umgewandelt werden kann. Die Größe dieses Anteils hängt von dem Verhältnis der Prozesstemperaturen ab, mit dem die Wärme in Elektrizität umgewandelt wird (sogenannter Carnot-Wirkungsgrad, siehe Abbildung 2). Leider gilt dieser ungünstige Zusammenhang bei jedem Prozess, in dem wir versuchen, Wärme in eine andere Energieform umzuwandeln, also zum Beispiel auch in anderen Kraftwerksarten oder in dem Verbrennungsmotor von Kraftfahrzeugen. Auch handelt es sich bei dem Carnot-Wirkungsgrad nur um ein theoretisches Optimum, in der Praxis sind die Wirkungsgrade noch geringer. Für die Angaben aus Abbildung 1 habe ich einen Wirkungsgrad des Kernkraftwerks in Höhe von 35 % angenommen.

Abbildung 2: Carnot-Wirkungsgrad in Abhängigkeit von unterer und oberer Prozesswärme.

Interessanterweise leuchtet es jedem ein, dass der aus Kernkraftwerken erzeugte Strom teurer wird, wenn wir beispielsweise die Endlagerung der radioaktiven Abfälle durch zusätzliche Auflagen aufwändiger gestalten. Aber dass der Strom bei besserer Nutzung der Abwärme billiger wird, weil der Kraftwerksbetreiber die Kosten auf zwei Produkte (Wärme und Strom) verteilen kann, leuchtet kaum jemanden ein.

Forstwirtschaft als weiteres Beispiel für Kuppelproduktion

In diesem Abschnitt möchte ich die Forstwirtschaft als ein weiteres Beispiel für Kuppelproduktion betrachten. Offenbar hat dies bisher noch niemand getan, denn trotz aufwändiger Recherche konnte ich keine Hinweise zu solchen Untersuchungen finden. Aber auch in der Forstwirtschaft findet eine Kuppelproduktion statt, da neben Industrieholz auch immer ein gewisser Anteil an Brennholz entsteht. Die Größe dieses Anteils dürfte schwer zu beziffern sein, da er sicherlich von der Baumart, dem Boden, von Witterungsverhältnissen (z.B. Sturmschäden) und vielen weiteren Faktoren abhängen dürfte. Ich möchte dieses Beispiel daher eher aus einer qualitativen Sichtweise betrachten.

Betrachten wir auch hier die marktwirtschaftlichen Effekte, die auftreten, wenn sich das Konsumverhalten von Brennholz und Industrieholz verändert. Denkbar wäre z.B. eine strengere Regulierung von Kaminöfen, da bei deren Betrieb schädliche Abgase entstehen. Solche Regulierungen würden den Betrieb von Kaminöfen teurer machen, sodass die Nachfrage an Brennholz und dessen Preis sinkt. Damit sinken auch die Erlöse der Forstwirte. Natürlich würden die Forstwirte nun gerne die entgangenen Erlöse durch eine Verteuerung des Industrieholzes kompensieren, doch leider funktioniert in der Praxis dieser marktwirtschaftliche Mechanismus an dieser Stelle häufig nicht, da zu viele Forstwirte nur wenigen Käufern gegenüberstehen. Die Forstwirte können also ihre erhöhten Preise für Industrieholz am Markt nicht durchsetzen. In der Volkswirtschaftslehre spricht man hier von einem sogenannten Oligopson, wie in Tabelle 1 in der grünen Zelle dargestellt.

Tabelle 1: Marktformen. Quelle [2]

Marktwirtschaftliche Prinzipien funktionieren also nur dann, wenn Käufer und Verkäufer eines Wirtschaftsguts eine ungefähr gleich starke Marktmacht haben (orangene Zellen in Tabelle 1).   


Literatur:

[1] Ulrich Blum, Eberhard Rosenthal, Bernd Diekmann: Energie – Grundlagen für Ingenieure und Naturwissenschaftler, Springer Vieweg Verlag, S. 64

[2] Gernot Sieg: Volkswirschaftslehre, Oldenburg Verlag, S. 22

Die frohe Botschaft KW 19/2020

Auch am heutigen Mittwoch möchte ich mal wieder um aktuelle Themen aus der Welt kümmern. Diesmal werde ich auf das anstehende Bitcoin-Halving eingehen und ein wenig über die zukünftige Kursentwicklung spekulieren. Diese werde ich auch in den kommenden Wochen weiterverfolgen. Außerdem gibt es wie immer einen kurzen Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen.

Auswirkungen des Bitcoin-Halvings

Voraussichtlich am 11. Mai wird es zum erneuten Bitcoin-Halving kommen. Das bedeutet, dass die Prämie für geschürfte Bitcoin-Blöcke von 12,5 BTC auf 6,25 BTC halbiert wird. Diesen Vorgang gab es in der Vergangenheit bereits 2013 und 2017, wobei im Anschluss der Bitcoin-Kurs stark gestiegen ist. Ist der Bitcoin also eine todsichere Asset-Klasse? Skeptiker argumentieren, dass der ungefähre Termin des Halvings schon lange bekannt ist und dieses Event daher schon im derzeitigen Kurs „eingepreist“ sei. Ich denke, das ist ein durchaus berechtigtes Argument. Schließlich habe ich selbst auch einen kleinen Teil meines Geldes in Bitcoin investiert und warte gespannt auf den 11. Mai. Ich selbst vertrete jedoch die Meinung, dass Bitcoin in Zukunft steigen wird. Dies mache ich vor allem an folgenden Argumenten fest, die ich nachfolgend erläutern werde:

  • langsamer wachsendes Bitcoin-Wachstum trifft auf stärker wachsende Bitcoin-Nachfrage
  • massive Inflation klassischer Währungen durch Corona-Hilfen und Staatsverschuldungen
  • Bitcoin hat massive volkswirtschaftliche Vorteile gegenüber klassischen Währungen

In der Marktwirtschaft wird der Preis eines Gutes durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Wollen wir die zukünftige Veränderung des Bitcoin-Kurses abschätzen, sollten wir also die Veränderung von Angebot und Nachfrage von Bitcoins betrachten. Ein Bitcoin-Halving bedeutet, dass es kostspieliger wird, neue Bitcoins zu schürfen. Folglich wird es länger dauern, bis neue Bitcoins für den Handel zur Verfügung stehen.  Wollen wir diesen Vorgang mit klassischen Währungen vergleichen, so können wir uns eine Zentralbank vorstellen, die ständig neues Geld aus der Druckerpresse in Umlauf bringt, nun jedoch in geringerer Geschwindigkeit. Das in Verkehr bringen von weiteren Bitcoins (klassisch: Geldscheinen) müsste eine Inflation zur Folge haben, wie in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Prognostizierte Anzahl geschürfter Bitcoins (blau) und jährliche Inflationsraten aus Bitcoin-Schürfung (orange). Quelle (Stand: 06.05.2020)

Tatsächlich hat der Bitcoin-Kurs in den letzten Jahren zwar erhebliche Schwankungen erlebt, ist jedoch insgesamt stark gestiegen. In Abbildung 2 habe ich die Kursentwicklung (BTC / EUR) dargestellt. Volkswirtschaftlich betrachtet kann dies nur einer immer größeren Nachfrage an Bitcoins geschuldet sein. Interessant ist nun natürlich, ob diese Nachfrage aufgrund eines größeren Handelsvolumens mit Bitcoin oder durch immer stärkere Spekulationen auf den Bitcoin-Kurs entsteht.

Abbildung 2: Bitcoin-Kurs in Euro (Monatskerzen). Quelle (Stand: 06.05.2020)

Um abzuschätzen wie stark Bitcoins such jenseits der Spekulation in unserem Alltag genutzt werden, können wir beispielsweise einen Blick auf die weltweit aufgestellten Bitcoin-Geldautomaten werfen. Diese dürften kaum genutzt werden, um an den Kursen zu spekulieren, sondern vielmehr, um Bitcoins für übliche Einkäufe in Innenstädten zu nutzen. Die Entwicklung der installierten Bitcoin-Geldautomaten dürfte also ein guter Indikator für das Handelsvolumen von Bitcoin in der Realwirtschaft sein. In Abbildung 3 ist die weltweite Entwicklung dargestellt.

Abbildung 3: Anzahl der weltweit aufgestellten Bitcoin-Geldautomaten. Quelle (Stand 06.05.2020)

Wir erkennen ein exponentielles Ansteigen der Bitcoin-Geldautomaten. Die prozentuale Steigerung von Jahr zu Jahr die in Abbildung 1 dargestellten Inflationsraten um ein Vielfaches. Ich gehe daher davon aus, dass der zunehmende Handel mit Bitcoin in der Realwirtschaft die Bitcoin-Nachfrage gesteigert hat. Da diese Nachfrage für den Handel in der Realwirtschaft offenbar immer schneller steigt und nun durch das Bitcoin-Halving die Inflation wie, in Abbildung 1 dargestellt, schlagartig sinkt, gehe ich davon aus, dass auch in Zukunft der Bitcoin-Kurs steigen wird.

Das zweite Argument für weiter steigende Kurse ist die Inflation klassischer Währungen. Aufgrund der massiven Staatsausgaben aufgrund der Corona-Krise rechne ich insbesondere für den Euro mit deutlich steigenden Preisen. Wenn der Euro an Wert verliert, werden wir folglich in der Zukunft mehr Euros für einen Bitcoin erhalten. Laut Eurostat betrug die jährliche Inflation im Euroraum durchschnittlich 1,7 % pro Jahr. Dies entspricht der prognostizierten Inflation des Bitcoins ab nächster Woche, wie in Abbildung 1 dargestellt. Von da an wird die Inflation des Bitcoins weiter sinken, während die Geldentwertung des Euros weiter steigen dürfte. Auch die drohende Wirtschaftskrise und die Hilferufe nach mehr staatlicher Unterstützung seitens der Industrie werden die Euro-Inflation weitertreiben, was den Bitcoin stärkt.

Als letztes Argument für weiter steigende Bitcoin-Kurse möchte ich zeigen, dass Kryptowährungen die besseren Währungen sind. Die drei volkswirtschaftlichen Aufgaben einer Währung sind Mittel zum Tausch, Wertaufbewahrung und Recheneinheit. Als Mittel zum Tausch sind derzeit noch klassische Währungen besser geeignet, da sie von allen Handelspartnern akzeptiert werden. Betrachten wir aber die zunehmende Verbreitung von Bitcoin, so können wir davon ausgehen, dass in wenigen Jahren eine Vielzahl von Geschäften und Versandhändler die Bezahlung mit Bitcoin akzeptieren werden. Langfristig sehe ich den Bitcoin als besseres Mittel zum Tausch, da digital viel leichter und schneller bezahlen kann und nicht genügend Geldscheine vorhalten muss. Auch bei der Wertaufbewahrung sehe ich Vorteile beim Bitcoin gegenüber klassischen Währungen, da der Handel mit Kryptowährungen in der Blockchain protokolliert wird und ein Diebstahl von Bitcoins nicht möglich ist. Als Recheneinheit sind derzeit die klassischen Währungen im Vorteil, da deren Wechselkurs weniger volatil ist. Insgesamt erfüllt aus meiner Sicht der Bitcoin die Aufgaben einer Währung besser als der Euro. Daher glaube ich auch an eine langfristig positive Entwicklung des Bitcoin-Kurses. Ich möchte aber betonen, dass mir der Erhalt einer klassischen Währung mit Geldscheinen und Münzen wichtig ist, denn Banknoten sind gedruckte Freiheit. Sie erlauben freien Handel und schließen eine Überwachung / Ausspähung durch IT-Systeme aus.

Aktuelle Corona-Situation

Nachdem ich nun etwas ausführlicher meine Meinung zur Bitcoin-Entwicklung kundgetan habe, möchte ich an dieser Stelle noch einmal kurz auf die aktuelle Lage der Corona-Krise schauen. Da ich in den vergangenen Wochen sehr ausführlich auf dieses Thema eingegangen bin, werde ich mich heute diesbezüglich etwas kürzer fassen. Am Vergangenen Mittwoch hatte ich für heute eine Gesamtzahl an Infizierten Personen in Deutschland in Höhe von 161.391 bis 169.588 geschätzt. Tatsächlich wurden bis heute 164.807 Personen vom Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. Offenbar meine neue Schätzstrategie ganz gut. In der letzten Woche wurden 7.166 Personen neu als infiziert gemeldet. Ich gehe wieder davon aus, dass diese Steigerung auch in der kommenden Woche nicht übertroffen wird. Damit hätten wir am kommenden Mittwoch maximal 171.973 Infizierte. Ich befürchte aber, dass sich zumindest noch halb so viele Personen wie in der vergangenen Woche infizieren werden und komme damit auf einen unteren Schätzwert von mindestens 168.390 Fällen, die durch das RKI gemeldet wurden.

Kuppelproduktion Teil 1: Die Natur bestimmt unseren Konsum

In diesem und dem folgenden Artikel möchte ich mich einem Phänomen der industriellen Produktionstechnik widmen, die ganz maßgeblich unseren Alltag bestimmt, aber den meisten Menschen kaum bewusst ist. Ich möchte zeigen, wie die Kuppelproduktion unsere Wirtschaft und unseren Konsum beeinflusst.

Was ist Kuppelproduktion?

In der Fertigungstechnik stellen solche Arbeitsschritte, bei denen neben dem eigentlichen Produkt noch weitere Erzeugnisse entstehen, eine Kuppelproduktion dar. Im allgemeinen Sinne stellt dies den Regelfall in der industriellen Produktion dar, da bei nahezu jedem Fertigungsschritt auch Abfälle, Abgase oder unbrauchbare Reststoffe entstehen. Für die nachfolgende Überlegung möchte ich mich jedoch ausschließlich auf die Betrachtung vermarktbarer Nebenprodukte konzentrieren und Abfälle usw. ausschließen.

Solche Arten von Kuppelproduktion finden wir unter anderem in der chemischen Industrie. Auch bei physikalischen Prozessen, wie etwa der Stromerzeugung in einem Kraftwerk handelt es sich um eine Kuppelproduktion, da nur ein geringer Anteil der erzeugten Wärme in elektrische Energie übersetzt werden kann. Dieser Anteil wird als sogenannter Wirkungsgrad bezeichnet. Bei diesen Beispielen bestimmen ganz klar die Naturgesetze, in welchen Verhältnissen die Produkte bzw. Nebenprodukte entstehen. Ich möchte im Folgenden aufzeigen, wie stark diese Art von Naturgesetzen unseren täglichen Konsum bestimmen.

Betrachten wir dazu die Herstellung verschiedener Kraftstoffe in einer Erdölraffinerie. In Abbildung 1 habe ich die ungefähren Mengenverhältnisse der Produkte einer Erdölraffinerie dargestellt. Die genauen Anteile schwanken immer ein wenig in Abhängigkeit von den eingesetzten Ölsorten und Destillationsverfahren.

Abbildung 1: Ungefähre Mengenverhältnisse der Produkte einer Erdölraffinerie. Quelle (Stand 04.05.2020)

Wie bestimmt die Kuppelproduktion unseren Konsum?

Immerhin kann mit Benzin, Diesel und Flüssiggas der überwiegende Teil des Erdöls in Stoffe umgewandelt werden, die wir gut in unserem Alltag gebrauchen können. Das führt dazu, dass die Hersteller dieser Stoffe eine Gesamtkostenrechnung aufstellen können. Die Kosten für die Förderung und Verarbeitung des Erdöls können auf die Preise der einzelnen Produkte verteilt werden. Damit kann der Hersteller die Kraft- und Heizstoffe günstiger anbieten. Doch was würde passieren, wenn wir unser Konsumverhalten ändern würden und beispielsweise den Dieselmotor in Kraftfahrzeugen aus fragwürdigen Gründen des Umweltschutzes verbieten würden? Natürlich gäbe es noch immer einen Bedarf an Diesel, beispielsweise um es als Heizöl zu nutzen. Aber die Nachfrage und damit die Erlöse der Erdölförderer würde massiv einbrechen. Der Hersteller müsste nun die unveränderten Herstellungskosten durch höhere Preise der übrigen Erdölprodukte kompensieren. Das würde unter anderem bedeuten:

  • Benzin und damit die Unterhaltung von rund 2/3 aller deutschen PKWs wird teurer.
  • Flugpreise steigen durch höhere Kerosinkosten. Dein nächster Urlaub mit dem Flieger wird teuer.
  • Falls Du lieber in den Campingurlaub fährst, wird auch dieser durch die Kosten für Flüssiggas aufwändiger.
  • Kosten für andere Industriesektoren steigen ebenfalls. Diese Mehrkosten werden an den Kunden weitergereicht. So entsteht indirekt eine Inflation für alle Produkte.

Wie Du sicher erkannt hast, halte ich wenig davon, den Dieselantrieb gesetzlich zu verbieten oder auch nur einzuschränken, denn wir müssen uns bei unserem Konsum an den Naturgesetzen (und damit in diesem Fall an den produzierbaren Mengenverhältnissen) orientieren. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen das auch weiter tun werden. Selbst wenn eine Regierung auf die Idee käme, den Einsatz von Diesel im Straßenverkehr zu verbieten, würde der ungenutzte Kraftstoff aufgrund der geringen Nachfrage einen Preissturz erfahren und fortan in wenig effizienten Ölheizungen verfeuert werden. Dies ist also ein weiteres Argument gegen staatliche Eingriffe in den Konsum von Erdölprodukten.

Ein ganz ähnlicher Effekt tritt auf, wenn es Schiffen auf hoher See untersagt wäre Schweröl als Kraftstoff zu verwenden. Für diesen Stoff gäbe es dann kaum noch sinnvolle Verwendungszwecke, sodass sogar Kosten für eine umweltgerechte Entsorgung entstehen würden. Diese Kosten sowie die entgangenen Erlöse durch die Reedereien müssten die ölfördernden Firmen durch höhere Preise auf die übrigen Erdölprodukte kompensieren mit ähnlichen Folgen wie bei einem Verbot des Dieselkraftstoffs. Auch hier möchte ich mich gegen staatliche Eingriffe in den Konsum von Energieträgern aussprechen. Sinnvoller erscheint es mir hier, wirkungsvolle Katalysatoren zur Reinigung der im Schiffsdieselmotor entstehenden Abgase einzusetzen.