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Einkommenssteuer

Der Einkommensteuertarif in Deutschland

Die meisten Bundesbürger müssen einen immer größeren Anteil ihres Einkommens an den Staat abgeben, was zunehmend für Unmut sorgt. In meinem heutigen Artikel möchte ich zeigen wie der Steuersatz in Deutschland mit zunehmenden Einkommen steigt. Außerdem werde ich erklären was der Grenzsteuersatz ist und was es mit dem Phänomen der kalten Progression auf sich hat.

Die Höhe der zu zahlenden Einkommensteuer ist in § 32a Einkommensteuergesetz (EStG) festgelegt. Grundsätzlich gilt, dass der Steuersatz mit zunehmendem Einkommen immer größer wird. Das bedeutet, dass die Steuerlast überproportional mit dem Einkommen steigt. Warum das so ist, erschließt sich mir nicht, schließlich werden so die Leistungsträger unserer Gesellschaft viel stärker „bestraft“, als Menschen, die unsere Gesellschaft nur in geringem Maße vorantreiben. In Abbildung 1 habe ich den derzeit geltenden Zusammenhang zwischen Einkommen und Steuersatz mit der durchgezogenen Linie dargestellt. Auf der waagerechten Achse ist das Einkommen für Singles eingetragen (für verheiratete Paare müssen diese Werte verdoppelt werden).

Abbildung 1: Steuersatz (durchgezogene Linie) und Grenzsteuersatz (gestrichelte Linie) nach § 32a EStG. Stand: 29.05.2020

Erkennbar ist, dass der Steuersatz mit zunehmenden Einkommen sehr schnell ansteigt. Um diese Steigerung besser analysieren zu können, ist in Abbildung 1 zusätzlich der sogenannte Grenzsteuersatz als gestrichelte Linie eingezeichnet. Dieser ist ein Maß für die Steigerung der Steuerlast mit zunehmenden Einkommen. Konkret sagt er aus um wie viel Euro sich die Einkommensteuer erhöht, wenn sich das Einkommen um einen zusätzlichen Euro erhöht.

Beispiel anhand des Medianeinkommens

2018 betrug das Medianeinkommen in Deutschland 24.636 € brutto [1]. Das bedeutet, dass es genauso viele Menschen gab die weniger verdient haben wie Menschen, die mehr bekommen haben. Das ergibt einen Steuersatz in Höhe von rund 15 %, was 3.611 € entspricht. Der Grenzsteuersatz beträgt hier rund 28 %, d.h. ein zusätzlicher Euro im Einkommen müsste mit 28 Cent versteuert werden.

Ich empfehle dringend, bei jeder Steuererklärung den Grenzsteuersatz zu berechnen, denn dieser Wert ist äußerst nützlich, um die Steuerlast aus zukünftigen Erträgen bzw. die Steuererleichterung aus Steuerabsetzungen zu bestimmen.

Jetzt wo wir wissen, was der Grenzsteuersatz ist, sollten wir noch einmal einen Blick auf Abbildung 1 werfen. Offenbar ist der Steuersatz immer geringer als der Grenzsteuersatz. Diese beiden Größen dürfen also auf keinen Fall verwechselt werden.

Kalte Progression: die Inflation treibt die Steuerlast hoch

Der in Abbildung 1 dargestellte Einkommenssteuertarif gilt bereits seit 2014, also seit sechs Jahren. Bei einer jährlichen Inflation in Höhe von 2 % entsteht in diesem Zeitraum eine Geldentwertung auf 88,5 %. Selbst wenn die Löhne im gleichen Maß steigen, ist die Inflation für die Bürger gefährlich, da sich die Steuerlast erhöht. In Tabelle 1 habe ich die für eine solche Inflation die Effekte der kalten Progression vorgerechnet.

Tabelle 1: Folgen der kalten Progression bei jährlicher Inflation von 2 %.
Sozialismus macht arm und tötet

Sozialismus macht arm und tötet

Im heutigen Artikel möchte ich mich einmal mit den gefährlichen Folgen sozialistischer Ideen beschäftigen. Bereits in meinem Beitrag zum 1. Mai habe ich ja angedeutet, dass ich von roten Ideen wenig halte und habe diese auf eine humoristische Art aufgegriffen. Jetzt wird es ernster und ich werde anhand einiger Statistiken die katastrophale Folgen von roten Ideologien nachweisen.

Was ist Sozialismus?

Zuerst sei erwähnt, dass es für mich keinen wesentlichen Unterschied zwischen Sozialismus und Kommunismus gibt. Es sind nur zwei verschiedene Wörter, deren Bedeutung auf die gleiche Weise ins Elend führt. Wer nun meint, dass ich ganz am rechten Rand des politischen Spektrums zuzuordnen sei, der irrt. Ich bin ein freiheitlich denkender Mensch. Wie der Name schon sagt, sind Nationalsozialisten dagegen auch nur Sozialisten. Die Wirtschaftspolitik des dritten Reichs mit Gleichschaltung, Planwirtschaft usw. hatte viele Gemeinsamkeiten mit dem, was die Bürger der ehemaligen DDR erleiden mussten. Der größte Unterschied ist, dass Nationalsozialisten fremde Länder ausbeuten wollen, während Sozialisten die eigenen Landsleute ausrauben. Die Intention aber ist die gleiche: es ist nun einmal einfacher anderen Menschen etwas wegzunehmen, als selbst Wohlstand zu erarbeiten.

Das Wirtschaftssystem der (National-)Sozialisten zeichnet sich vor allem durch planwirtschaftliche Organisation aus. Es gibt kaum wirtschaftliche Freiheit. Alle Verteilungsfragen werden nicht durch den Markt, sondern durch politische Gremien entschieden. Es gibt keine oder nur eine mangelhafte Rechtsstaatlichkeit, bei Bedarf enteignet der Staat seine Bürger. Die Menschen dürfen ihren Arbeitsplatz nicht frei wählen. Es gibt nur einen stark eingeschränkten Handel mit dem Ausland.

Um zu beziffern, wie stark der Sozialismus in einzelnen Ländern bereits Einzug erhalten hat, betrachte ich im Folgenden den Index für wirtschaftliche Freiheit, der durch die Heritage Foundation berechnet wird. Dieser Index legt die Kriterien Rechtsstaatlichkeit, Eingriffe des Staates in die Wirtschaft, Regulierungen und Offenheit der Märkte zugrunde. Eine Bewertung mit 100 steht für eine völlig freie Wirtschaft, während eine Wertung von 0 einer Sklaventreiberei entspricht. In Tabelle 1 sind die Werte aus 2018 dargestellt.

Tabelle 1: Index der wirtschaftlichen Freiheit. Quelle (Stand: 12.05.2020)

Auf den ersten Blick erkennen wir, dass solche Länder, die wir typischerweise mit sozialistischen Systemen einen sehr niedrigen Indexwert erhalten haben, während marktwirtschaftlich geführte Staaten die höchsten Werte bekommen haben. Der Index für wirtschaftliche Freiheit scheint also ein guter Maßstab für sozialistische Tendenzen der einzelnen Länder zu sein.

Wirtschaftliche Folgen mangelhafter Freiheit

Als nächstes möchte ich zeigen, wie die wirtschaftliche Freiheit mit dem Wohlstand einer Gesellschaft zusammenhängt. Dazu habe ich in Abbildung 1 das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Einwohner in Abhängigkeit vom Index der wirtschaftlichen Freiheit dargestellt. Jeder Punkt steht für ein Land der Welt. Der rote Punkt stellt die Werte für Deutschland dar. Natürlich hängt der wirtschaftliche Erfolg einzelner Länder von viel mehr Faktoren als der Freiheit ab. Daher erkennen wir in dem Diagramm auch eine starke Streuung. Allerdings lässt sich durchaus die Tendenz erkennen, dass die Wirtschaftskraft pro Kopf überproportional mit der wirtschaftlichen Freiheit wächst.

Abbildung 1: Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (kaufkraftbereinigt) in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Freiheit. Roter Punkt: Deutschland. Quelle (Stand: 12.05.2020)

Welche wirtschaftlichen Chancen hätte Deutschland, wenn es mehr Freiheit gäbe? Wir erkennen, dass Deutschland im Vergleich zu Ländern mit einem ähnlichen Index der wirtschaftlichen Freiheit ein durchschnittliches BIP pro Einwohner erwirtschaftet. Wir sollten uns also vor allem auf Staaten schauen, die ebenfalls im mittleren Bereich der Streuung liegen. Irland zum Beispiel hat einen Indexwert von 80,4 und erwirtschaftet ein BIP in Höhe von knapp 80.000 $ pro Einwohner. Deutschland dagegen hat nur einen Indexwert von 74,2 und erwirtschaftet daher auch nur ein BIP von rund 52.000 $ pro Einwohner. Ich schätze also, dass die staatlichen Eingriffe und Regulierungen, die unsere Freiheit behindern, jeden Einwohner der Bundesrepublik rund 28.000 $ pro Jahr kosten, was nach heutigem Umrechnungskurs etwa 2.150 € pro Monat entspricht.

An dieser Stelle wird häufig argumentiert, dass die zusätzliche Wirtschaftskraft durch weniger Regulierung bzw. staatliche Eingriffe nur der Oberschicht zugutekäme („die Reichen werden immer reicher“). Schauen wir uns dazu den Einfluss wirtschaftlicher Freiheit auf den weniger wohlhabenden Teil der Bevölkerung an. In Abbildung 2 ist der Bevölkerungsanteil, der ein Vermögen unterhalb von 10.000 $ hat, in Abhängigkeit von dem Index der wirtschaftlichen Freiheit dargestellt. Jedes Land wird wieder durch einen Punkt dargestellt, Deutschland wird durch einen roten Punkt repräsentiert. Ähnlich wie in Abbildung 1 sehen wir auch hier eine starke Streuung, da die Vermögensverteilung natürlich noch von vielen weiteren Faktoren abhängig ist. Aber auch hier können wir eine Tendenz erkennen. Je höher die wirtschaftliche Freiheit, desto wohlhabender ist die Gesellschaft als Ganzes.

Abbildung 2: Anteil der Bevölkerun mit Vermögen unter 10.000 $ in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Freiheit. Roter Punkt: Deutschland. Quelle (Stand: 12.05.2020)

Wenn wir uns im Umkehrschluss also dem (National-)Sozialismus zuwenden und die Freiheit stark einschränken, werden wir also nicht nur das erwirtschaftete Einkommen reduzieren, sondern vor allem die ärmsten Menschen unserer Gesellschaft bestrafen.

Zusammenhang von Freiheit und Gesundheit

Da aus meiner Sicht Gesundheit noch wichtiger ist als finanzieller Wohlstand, möchte ich nun untersuchen, ob es auch einen Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung und der wirtschaftlichen Freiheit gibt. Natürlich ist anzunehmen, dass hier ein Zusammenhang besteht, denn wohlhabende Menschen können sich eine bessere medizinische Versorgung leisten. Schließt ein Land dagegen seine Grenzen und schränkt somit die Handelsfreiheit ein, kann es nicht einmal Medikamente aus dem Ausland importieren. In Abbildung 3 habe ich daher Lebenserwartung (Mädchen und Jungen) in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Freiheit dargestellt. Deutschland wird wieder durch den roten Punkt dargestellt.

Abbildung 3: Lebenserwartung in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Freiheit. Roter Punkt: Deutschland. Quelle (Stand:12.05.2020)

Dieses Diagramm zeigt uns die größten Streuungen von allen Abbildungen in diesem Artikel. Allerdings ist erkennbar, dass die Unterschiede zwischen den Ländern mit zunehmender wirtschaftlicher Freiheit immer geringer werden. Ab einem Indexwert von ca. 70 findet ein „Sprung“ statt, sodass alle Länder mit einem höheren Indexwert eine Lebenserwartung von mehr als 74 Jahren vorweisen können. Leider scheint die Lebenserwartung mit zunehmender Freiheit immer langsamer anzusteigen. Allerdings wäre aus meiner Sicht in Deutschland eine Steigerung von ca. zwei Jahren durch Lockerung der Regulierungen und Staatseingriffe durchaus möglich. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass wir mit dem Indexwert nicht unter 70 fallen, denn ab dieser Stelle geht es mit der Lebenserwartung massiv bergab.

Kuppelproduktion

Kuppelproduktion Teil 2: Weitere Beispiele und Erkenntnisse

Nachdem ich im ersten Teil zum Thema Kuppelproduktion gezeigt habe, wie die Naturgesetze unser Konsumverhalten bestimmen, möchte ich in diesem Teil zwei weitere Beispiele für solche Herstellungsprozesse aufzeigen. Anhand dieser Beispiele möchte ich zum einen physikalische Wirkungsgrade und zum anderen den Einfluss unterschiedlicher Marktstrukturen erläutern.

 Kuppelproduktionen zeichnen sich dadurch aus, dass neben dem Hauptprodukt noch weitere Nebenprodukte in einem festen Mengenverhältnis zum Hauptprodukt entstehen. Im Teil 1 hatte ich am Beispiel der Erdölerzeugnisse erläutert, dass diese Produkte in dem Mengenverhältnis konsumiert werden, wie sie produziert werden. Ändert sich das Konsumverhalten (bspw. durch den Verzicht von Dieselkraftstoff im Straßenverkehr) hat dies Auswirkungen auf die Preise der übrigen Kuppelprodukte, da der Hersteller die Umsätze aller Produkte in einer Gesamtkostenrechnung betrachtet. Ein neues Preisverhältnis stellt sich ein, sodass der Konsum wieder dem Mengenverhältnis der Kuppelprodukte entspricht.

Ein Kernkraftwerk als Beispiel für Kuppelproduktion

In diesem Beispiel möchte ich die wesentlichen Material- und Energieströme in einem Kernkraftwerk betrachten. Im Wesentlichen wird hier spaltbares Material (z.B. Uran) in Elektrizität, Wärme und unterschiedliche Sorten von Atommüll verarbeitet. Abbildung 1 zeigt die wesentlichen Prozesse zur Erzeugung von 1 GW Elektrizität. Die gelben Felder weisen auf (Neben-) Produkte hin.

Abbildung 1: Wesentliche Material- und Energieflüsse zur Produktion von 1 GW elektrischer Leistung in einem Kernkraftwerk. Quelle [1]

Neben der gewünschten Produktion elektrischer Energie entstehen vor allem radioaktive Abfälle, die besonders kritisch zu sehen sind, da sie aufgrund ihrer hohen Halbwertszeiten für einen unüberschaubaren Zeitraum weiter strahlen werden. Außerdem entsteht, wie auch bei anderen Kraftwerken, mehr Abwärme als Elektrizität, da nur ein geringer Teil im Kraftwerk erzeugten Wärme in Elektrizität umgewandelt werden kann. Die Größe dieses Anteils hängt von dem Verhältnis der Prozesstemperaturen ab, mit dem die Wärme in Elektrizität umgewandelt wird (sogenannter Carnot-Wirkungsgrad, siehe Abbildung 2). Leider gilt dieser ungünstige Zusammenhang bei jedem Prozess, in dem wir versuchen, Wärme in eine andere Energieform umzuwandeln, also zum Beispiel auch in anderen Kraftwerksarten oder in dem Verbrennungsmotor von Kraftfahrzeugen. Auch handelt es sich bei dem Carnot-Wirkungsgrad nur um ein theoretisches Optimum, in der Praxis sind die Wirkungsgrade noch geringer. Für die Angaben aus Abbildung 1 habe ich einen Wirkungsgrad des Kernkraftwerks in Höhe von 35 % angenommen.

Abbildung 2: Carnot-Wirkungsgrad in Abhängigkeit von unterer und oberer Prozesswärme.

Interessanterweise leuchtet es jedem ein, dass der aus Kernkraftwerken erzeugte Strom teurer wird, wenn wir beispielsweise die Endlagerung der radioaktiven Abfälle durch zusätzliche Auflagen aufwändiger gestalten. Aber dass der Strom bei besserer Nutzung der Abwärme billiger wird, weil der Kraftwerksbetreiber die Kosten auf zwei Produkte (Wärme und Strom) verteilen kann, leuchtet kaum jemanden ein.

Forstwirtschaft als weiteres Beispiel für Kuppelproduktion

In diesem Abschnitt möchte ich die Forstwirtschaft als ein weiteres Beispiel für Kuppelproduktion betrachten. Offenbar hat dies bisher noch niemand getan, denn trotz aufwändiger Recherche konnte ich keine Hinweise zu solchen Untersuchungen finden. Aber auch in der Forstwirtschaft findet eine Kuppelproduktion statt, da neben Industrieholz auch immer ein gewisser Anteil an Brennholz entsteht. Die Größe dieses Anteils dürfte schwer zu beziffern sein, da er sicherlich von der Baumart, dem Boden, von Witterungsverhältnissen (z.B. Sturmschäden) und vielen weiteren Faktoren abhängen dürfte. Ich möchte dieses Beispiel daher eher aus einer qualitativen Sichtweise betrachten.

Betrachten wir auch hier die marktwirtschaftlichen Effekte, die auftreten, wenn sich das Konsumverhalten von Brennholz und Industrieholz verändert. Denkbar wäre z.B. eine strengere Regulierung von Kaminöfen, da bei deren Betrieb schädliche Abgase entstehen. Solche Regulierungen würden den Betrieb von Kaminöfen teurer machen, sodass die Nachfrage an Brennholz und dessen Preis sinkt. Damit sinken auch die Erlöse der Forstwirte. Natürlich würden die Forstwirte nun gerne die entgangenen Erlöse durch eine Verteuerung des Industrieholzes kompensieren, doch leider funktioniert in der Praxis dieser marktwirtschaftliche Mechanismus an dieser Stelle häufig nicht, da zu viele Forstwirte nur wenigen Käufern gegenüberstehen. Die Forstwirte können also ihre erhöhten Preise für Industrieholz am Markt nicht durchsetzen. In der Volkswirtschaftslehre spricht man hier von einem sogenannten Oligopson, wie in Tabelle 1 in der grünen Zelle dargestellt.

Tabelle 1: Marktformen. Quelle [2]

Marktwirtschaftliche Prinzipien funktionieren also nur dann, wenn Käufer und Verkäufer eines Wirtschaftsguts eine ungefähr gleich starke Marktmacht haben (orangene Zellen in Tabelle 1).   


Literatur:

[1] Ulrich Blum, Eberhard Rosenthal, Bernd Diekmann: Energie – Grundlagen für Ingenieure und Naturwissenschaftler, Springer Vieweg Verlag, S. 64

[2] Gernot Sieg: Volkswirschaftslehre, Oldenburg Verlag, S. 22

Der Weg zur finanziellen Freiheit

Möchtest Du ein großes Vermögen aufbauen? Träumst auch Du davon, so hohe Zinsen bzw. Kapitalerträge zu erzielen, dass Du allein damit Deine kompletten Ausgaben decken kannst und nie wieder arbeiten musst? Oder möchtest Du sogar so hohe Renditen bekommen, dass sich Dein Geld stärker vermehrt als Du es ausgibst? Was auch immer Dein finanzielles Ziel ist, im heutigen Artikel geht es darum, wie viel Kapital wir benötigen, um diese Ziele zu erreichen und wie lange wir dafür Sparen müssen. Da ich hier meine persönlichen Einkünfte usw. nicht veröffentlichen möchte, werde ich einige Beispielrechnungen mit fiktiven Zahlen durchführen. Am Ende findest Du wieder eine kostenlose Excel-Datei, mit der Du meine Kalkulation mit Deinen individuellen Gegebenheiten (Einkommen, Alter, …) nachrechnen kannst.

Wie bereits in der Einleitung angedeutet, scheint es mehrere Stufen der finanziellen Freiheit zu geben. Diese möchte ich auch in meiner nachfolgenden Überlegung berücksichtigen. Für mich ist die erste Stufe der finanziellen Freiheit dann erreicht, wenn meine Kapitalerträge meinen Ausgaben entsprechen, sodass ich von den Zinsen, Dividenden und Renditen leben kann. An dieser Stelle stimmen mir sicherlich viele von Euch zu. Allerdings müssen wir dazu natürlich auch erst einmal unsere jährlichen Ausgaben kennen. In einem anderen Artikel habe ich bereits eine Vorlage für ein Haushaltsbuch vorgestellt, mit der Du ganz bequem Deine Kosten im Blick behalten kannst.  Für mein Beispiel gehe ich von 1.200 € pro Monat, also 14.400 € pro Jahr aus. Diesen Betrag müssen wir durch Kapitalerträge erzielen, um die erste Stufe der finanziellen Freiheit zu erlangen. Alle weiteren Stufen habe ich als Vielfache dieses Betrags definiert, wie in Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1: Die Stufen der finanziellen Freiheit (meine persönliche Definition).

Wir müssen jedoch auch bedenken, dass unser Geld aufgrund der Inflation kontinuierlich an Wert verliert. Damit wir in der Zukunft ein Einkommen haben, dass den Werten aus Tabelle 1 mit Geldwert von heute entspricht, muss das Einkommen so hoch sein, dass es die Inflation ausgleicht. Ich gehe in meinem Beispiel von einer jährlichen Inflation in Höhe von 2% aus. Das hört sich zunächst nicht nach besonders viel an. Wir sollten aber bedenken, dass wir wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte benötigen werden, um die Stufen der finanziellen Freiheit hinaufzusteigen. Bei der angenommenen Inflation hat das Geld bereits nach 20 Jahren ein Drittel seines Wertes verloren.

Ein weiterer Aspekt ist, dass wir auf unsere Kapitalerträge Steuern bezahlen müssen. Damit wir wirklich finanziell frei sind, müssen die in Tabelle 1 genannten Erträge unseren Nettoeinnahmen entsprechen (also den Einnahmen nach Steuer). Natürlich kann niemand seriös vorhersagen, wie die Steuergesetzgebung in 20 oder 40 Jahren aussehen wird. Daher werde ich für meine Berechnung die derzeit veranschlagten 25 % annehmen, den Grundfreibetrag in Höhe von 801 € vernachlässige ich.

Wie viel Kapital benötige ich für die finanzielle Freiheit?

Wir haben also verstanden, dass durch Steuern und Inflation der Wert unserer zukünftigen Einnahmen gemindert wird. Wir müssen also mehr Kapital investieren, um diese Wertminderung zu kompensieren. Zudem ist die Höhe des Vermögens, mit dem wir die finanzielle Freiheit erreichen von unserer jährlichen Rendite abhängig: je höher diese ist, desto weniger Kapital benötigen wir, um das gleiche Einkommen zu erzielen. Daher habe ich in meinem Excel-Programm die Möglichkeit, verschiedene Renditen „durchzuspielen“. In Tabelle 2 siehst du einen entsprechenden Ausschnitt, in dem ich einige Zeilen und Spalten ausgeblendet habe, um die Darstellung kompakt zu halten. Falls Du Dich fragst, wie so hohe Renditen in Zeiten der Nullzinspolitik überhaupt möglich sind, möchte ich auf diesen Artikel verweisen, in dem ich anhand von Renditedreiecken, die Möglichkeiten an der Börse gezeigt habe.

Tabelle 2: Entwicklung des Realvermögens in Abhängigkeit von der Laufzeit und Kapitalrendite.

Neben den bereits erwähnten Annahmen bin ich von einem Startkapital in Höhe von 1.000 € und einem Alter des Benutzers von 25 Jahren ausgegangen. Außerdem gehe ich davon aus, dass wir zu Beginn jeden Monat zusätzliche 500 € investieren und diesen Betrag jedes Jahr um 3 % (nominal, also inkl. Inflation) steigern. Das ist sicherlich ein sehr hoch gestecktes Ziel, aber wäre es leicht, hätten weniger Menschen auf der Welt Finanzprobleme. In der Tabelle 2 sehen wir nun die Entwicklung unseres realen (also inflationsbereinigten Vermögens) in Abhängigkeit von der jährlichen Rendite sowie der Laufzeit. Die Steigerung, die sich von einer Zeile zur nächsten ergibt, setzt sich also dem jährlich gesparten Geldbetrag sowie den versteuerten Kapitalerträgen meines Vorjahresvermögens zusammen. Die Farben der Zahlen geben einen Hinweis auf den Zeitpunkt, zu dem eine Stufe der finanziellen Freiheit erreicht wurde. Die Farben entsprechen dabei der Staffelung aus Tabelle 1. In unserem Beispiel könnten wir mit einer jährlichen Rendite von 8 % p.a. nach 30 Jahren, also im Alter von 55 Jahren die zweite Stufe der finanziellen Freiheit erlangen, hätten also nach Steuern doppelt so hohe Kapitaleinkünfte wie Ausgaben.

Betrachten wir nun einmal den Zeitraum, den wir brauchen, um die erste Stufe der finanziellen Freiheit zu erlangen. Natürlich wir dieser mit zunehmender Rendite immer kleiner. Interessant ist jedoch, dass sich bei hohen Renditen der Zeitraum bis zur finanziellen Freiheit nur noch geringfügig verkürzt. Dazu habe ich in Tabelle 3 den Zeitraum bis zur finanziellen Freiheit in Abhängigkeit von der jährlichen Rendite eingetragen.

Tabelle 3: Notwendige Laufzeit bis zur finanziellen Freiheit in Abhängigkeit von der Rendite.

Wir müssen also festhalten, dass es für die meisten von uns ein langer und steiniger Weg zur finanziellen Freiheit ist. Aus meiner Sicht lohnt es sich jedoch diesen zu gehen. Mir gefällt der Gedanke, das ein oder andere Mal auf Urlaub zu verzichten, um dafür eher in Rente gehen zu können. Falls Ihr das auch so seht, sollten wir uns auf diesem anstrengenden Weg gegenseitig helfen. Dazu werde ich auch in Zukunft weitere Tool, Ideen und Vorschläge zu finanziellen Themen vorstellen.

Mein Haushaltsbuch

Im heutigen Artikel möchte ich mich einmal dafür aussprechen, die eigenen Finanzen genau im Blick zu behalten und regelmäßig zu überprüfen. Nur so können wir sicherstellen, dass wir kontinuierlich unser Vermögen vergrößern anstatt es aufzubrauchen. Meiner Meinung nach ist dafür das regelmäßige Führen eines Haushaltsbuches, also das genaue Dokumentieren alle Einnahmen und Ausgaben unerlässlich. Zur Erleichterung habe ich ein Excel-Tool erstellt, das Ihr am Ende dieses Artikels herunterladen könnt.

Wie funktioniert das Haushaltsbuch?

Da ein Haushaltsbuch vielleicht etwas altmodisch erscheint, ist mir auch klar, dass ich mir mit diesem Artikel nicht viele Freunde mache. Wir sollten aber bedenken, dass jedes Unternehmen ein aufwändiges Rechnungswesen betreibt. Dies geschieht natürlich zum Teil auch, um gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden, aber eben auch, unternehmensinterne Planungen zu ermöglichen. Ich erkenne keinen Grund, warum es für Unternehmen eine Buchführung sinnvoll sein sollte und für Privatpersonen nicht. Ich selbst habe bisher in drei Kalenderjahren in Abstand von je zwei Jahren ein Haushaltsbuch geführt und bin zu verblüffenden Erkenntnissen gelangt. Außerdem habe ich mir meine persönliche Sparquote berechnet. Da ich aber in diesem Artikel nicht meine persönlichen Einnahmen und Ausgaben preisgeben möchte, werde ich im Folgenden nur mit einigen Beispieldaten arbeiten. Diese sind für den Monat April in dem nachfolgenden Screenshot dargestellt.

Abbildung 1: Angenommene Einnahmen (schwarz) und Ausgaben (rot) für den April 2020.

In den weißen Zellen können alle Ein- und Ausgaben des Monats protokolliert werden. Damit regelmäßige Zahlungen nicht jeden Monat neu eingegeben werden müssen, sind sie im oberen Teil der Liste gebündelt aufgeführt und können so schnell in die Tabellen der übrigen Monate kopiert werden. Hier fällt sofort auf, dass ich mit Abschreibungen arbeite. Ich mache das, um zu verhindern, dass mir eine hohe Ausgabe, von der ich mehrere Monate oder Jahre einen Nutzen habe (Jahresurlaub, Auto,…), die Monatsstatistik verzerrt. Als Anhaltspunkt empfehle ich Euch, alle einmaligen Kosten oberhalb von 500 € über eine Abschreibung zu berücksichtigen.

In Abbildung 1 fällt außerdem auf, dass alle Ausgaben in Kategorien eingeteilt sind. Dies bietet den Vorteil, dass wir schnell erkennen können, wofür wir besonders viel Geld ausgeben. Dazu werden die Ausgaben in meiner Excel-Datei in einem Kreisdiagramm angezeigt, wie in Abbildung 2 dargestellt. So können Einsparpotentiale schneller identifiziert werden. Außerdem sehen wir im rechten Teil der Tabelle, dass wir einen Monatsgewinn von knapp 400 € erwirtschaftet haben.

Abbildung 2: Verhältnis aller Ausgaben aus Abbildung 1

Der Jahresabschluss und die Sparquote von Privatpersonen

Meine Excel-Tabelle bietet außerdem einen Reiter, in dem die Einnahmen und Ausgaben des gesamten Kalenderjahres zusammengefasst sind. Hier erhalten wir ein Diagramm ähnlich wie in Abbildung 2. Außerdem werden die Gewinne / -verluste der 12 Monate in einem Säulendiagramm dargestellt. Die wichtigste Funktion ist jedoch die Berechnung der Sparquote. Diese gibt an um wie viel Prozent meine Jahreseinnahmen die Ausgaben übersteigen.

Wie hoch sollte die Sparquote idealerweise sein? Das ist meiner Meinung nach eine Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt. Prinzipiell bin ich aber der Meinung, dass vor allem in jungen Jahren (also in den ersten Berufsjahren) eine besonders hohe Sparquote wichtig ist. Zwar ist es aufgrund des geringeren Gehalts in diesem Lebensabschnitt besonders schwer größere Beträge zur Seite zu legen, jedoch zahlt es sich auch am meisten aus, da der Zinseszinseffekt über einen längeren Zeitraum wirken kann. Schauen wir uns dazu noch einmal die beispielhaften Zahlungen aus Abbildung 1 am 18. April an. Hier hat eine Aktiengesellschaft unserer fiktiven Person 25 € Dividende gezahlt. Dazu wäre schon ein an der Börse angelegtes Vermögen in Höhe von 1.000 € notwendig, wenn wir von einer Dividendenrendite in Höhe von 2,5 % p.a. ausgehen. Aber das Sparen hat sich gelohnt, denn unsere Person hat die Dividende in einen Volkshochschulkurs „reinvestiert“, der ihre Karrierechancen erheblich verbessert.

Einige Personen treiben die Sparsamkeit auf die Spitze und erreichen Sparquoten von über 70 %. Diese sogenannten Frugalisten haben in der Regel das Ziel möglichst schnell ein großes Vermögen aufzubauen und so in vergleichsweise Jungen Jahren in Rente gehen zu können. Der Frugalist Oliver Noelting führt dazu diesen interessanten Blog und zeigt, wie man mit erstaunlich wenig Ausgaben ein faszinierendes Leben führen kann. Letztlich geht es also um einen möglichst zügigen Vermögensaufbau. Dazu werde ich demnächst einen Artikel zum Thema „finanzielle Freiheit“ veröffentlichen.

Kapitalwert – Was sind Zahlungen in der Zukunft wert?

Heute wollen wir mal versuchen die Gesamtkosten einer Verbindlichkeit bzw. die Gesamterlöse einer Investition über die gesamte Produktlebensdauer abzuschätzen. Was kostet mich beispielsweise ein neues Auto über die komplette Lebensdauer hinweg? Welche Ersparnis bringt die Investition in eine eigene Wohnung? Anhand dieser Fragestellungen werden wir erkennen, dass viele Menschen den Wert zukünftiger Ausgaben bzw. Einkünfte überschätzen. Um dies zu verdeutlichen, stelle ich in diesem Artikel ein grundlegendes Konzept aus der Finanzwirtschaft vor: den Kapitalwert.

Was sagt der Kapitalwert aus?

Der Kapitalwert (in manchen Quellen wird er auch Barwert genannt) bewertet eine Reihe von Zahlungen, die sich über mehrere Jahre erstreckt. Dies könnte zum Beispiel der oben genannte Autokauf sein, bei dem der Käufer sowohl den Kaufpreis zu Beginn als auch die Unterhaltungskosten (Kraftstoff, Steuer, Versicherung,…) in den Folgejahren berücksichtigen muss. Beim Kauf einer eigenen Wohnung entspricht dies dem Kaufpreis zu Beginn und den gesparten Mietkosten in den Folgejahren. Wohlgemerkt geht es hier um eine rein finanzielle Betrachtung, der Komfort eines neuen Autos oder einer neuen Wohnung wird nicht berücksichtigt.

Der Kapitalwert geht davon aus, dass Zahlungen in der Zukunft weniger wert sind als in der Gegenwart. Dies hat nichts mit Inflation zu tun, sondern mit der Tatsache, dass Du Einkünfte in der Gegenwart investieren kannst und so weitere Einnahmen erzielen kannst. In diesem Artikel über Renditedreiecke habe ich beispielsweise gezeigt, welche Einnahmen an der Börse möglich sind. Beispielsweise wäre es für Dich besser, wenn ich Dir heute 100 € schenke als erst in 10 Jahren. Denn bei einer Rendite von 5 % p.a. könntest Du aus diesem Geld in 10 Jahren rund 163 € machen. Diese Überlegung berücksichtigt der Kapitalwert. Schauen wir uns dazu beispielhafte Zahlen eines Autokaufs an. Zur Berechnung der Kapitalwerte habe ich wieder eine Excel-Datei erstellt, die Du Dir am Ende dieses Artikels kostenfrei herunterladen kannst.

Beispiel 1: Autokauf

Herr Meier hat sich für ein neues Automodell entschieden und überlegt, ob er einen Diesel- oder Ottomotor nehmen sollte. Der Dieselmotor ist in der Anschaffung teurer, dafür sind die Unterhaltungskosten etwas geringer.

Die für dieses Beispiel angenommenen Zahlungsreihen findest Du in der Tabelle 1 auf der rechten Seite. So kostet das Fahrzeug mit Ottomotor nur 25.000 €, während das gleiche Auto mit Dieselmotor mit stolzen 30.000 € zu Buche schlägt. Allerdings kostet beim Benziner die jährliche Unterhaltung 7.500 €, beim Diesel sind es nur 6.500 €. Herr Meier geht davon aus, dass er das Fahrzeug unabhängig vom gewählten Motor 15 Jahre nutzen und es anschließend für 2.000 € verkaufen kann (zur Vereinfachung des Beispiels vernachlässigen wir zunehmend steigende Reparaturkosten,…). Nun möchte Herr Meier wissen, was ihn beide Fahrzeugvarianten über die komplette Lebensdauer kosten würden.

Da Herr Meier sich ein wenig mit den Möglichkeiten an den Finanzmärkten auskennt, weiß er, dass er mit einer durchschnittlichen Rendite von 5 % auf sein investiertes Vermögen rechnen kann. Mit dieser Information kann er sich die Kapitalwerte der einzelnen Zahlungen berechnen. Die Ergebnisse sind rechts in Tabelle 2 dargestellt. Beispielsweise entsteht im fünften Jahr für das Diesel-Auto ein Kapitalwert von -5.092,92 €. Das bedeutet, dass Herr Meier heute 5.092,92 € zu 5 % p.a. anlegen müsste, um die Unterhaltungskosten des fünften Jahres zu decken. Der Kapitalwert zeigt mir also wie viel Geld ich heute mit einem festgelegten Zins sparen muss, um eine in der Zukunft liegende Zahlung zu begleichen. Die Kapitalwerte werden immer kleiner je weiter die Zahlungen in der Zukunft liegen, da Herr Meier mehr Zeit hat, um dieses Geld an den Finanzmärkten zu mehren.

Nun haben wir jedoch noch immer nicht geklärt, wie viel die Fahrzeuge insgesamt kosten. Dazu betrachten wir die aufsummierten Kapitalwerte, wie sie in der Tabelle 3 dargestellt sind. In jeder Zelle befindet sich die Summe aller bis zu diesem Zeitpunkt angefallenen Kapitalwerte. In der untersten Zeile können wir den Gesamtkapitalwert der Fahrzeuge ablesen. Hier schneidet der Dieselmotor mit -96.551,55 € besser ab als der Benziner. Dies sind die Kosten für die 15jährige Nutzung des Fahrzeugs als einmalige Zahlung in der Gegenwart. Herr Meier müsste also von diesem Geld zunächst das Auto bezahlen und den restlichen Betrag zu 5 % p.a. investieren und könnte so alle Unterhaltungskosten für die gesamte Lebensdauer bezahlen.

Tabelle 1: Angenommene Zahlungsreihen für ein neues Auto
Tabelle 2: Berechnete Kapitalwerte (angenommener Zins: 5 % p.a.)

Tabelle 3: Aufsummierte Kapitalwerte

Zum Vergleich: wenn ich nur die Werte aller 16 Zeilen aus Tabelle 1 ohne Berücksichtigung der Kapitalwerte aufsummiere, erhalte ich Gesamtkosten von -135.500 € (Benzin) und -125.500 € (Diesel). Verglichen mit den aufsummierten Kapitalwerten sind dies Abweichungen von rund 30 %. In der Abbildung 1 unten ist der zeitliche Verlauf der aufsummierten Kapitalwerte grafisch dargestellt. Hier sehen wir, dass sich bereits ab einer Nutzungsdauer von 5 Jahren der Kauf eines Dieselmotors lohnt.

Abbildung 1: Grafische Darstellung der aufsummierten Kapitalwerte aus Tabelle 3

Beispiel 2: Die eigene Immobilie

An dieser Stelle sei zunächst angemerkt, dass ich hier nicht alle Vor- und Nachteile einer selbstgenutzten Immobilie diskutieren, sondern lediglich ein einfaches Beispiel für eine Kapitalwertrechnung mit einer Investition präsentieren will. Der Kauf eines Autos ist in meinen Augen nämlich keine Investition, sondern eine Verbindlichkeit, da er in der Zukunft keine Einnahmen erzeugt, sondern Kosten generiert.

Betrachten wir nun folgendes Beispiel: Herr Müller spielt mit dem Gedanken ein Eigenheim für 120.000 € zu kaufen und aus der Wohnung, in der er derzeit zur Miete wohnt, auszuziehen. Damit würde er sich jedes Jahr 5.000 € Miete sparen. Diese Ersparnis kann als Ertrag aus der Investition in das Eigenheim angesehen werden. Um auch hier das Beispiel einfach zu halten, vernachlässigen wir weitere Kosten, etwa durch Steuern oder Reparaturen am Eigenheim. Da Herr Müller plant, das Eigenheim später zu vererben, kann er sehr langfristig planen und rechnet mit einer Nutzungsdauer von 50 Jahren. Außerdem rechnet er genau wie Herr Meier mit einer durchschnittlichen Rendite von 5 % p.a. auf investiertes Vermögen. In den nachfolgenden Tabellen habe ich analog zum ersten Beispiel die Zahlungsreihe, die entsprechenden Kapitalwerte sowie die aufsummierten Kapitalwerte dargestellt.

Tabelle 4: Investition und Ersparnisse eines Eigenheims

Tabelle 5: Berechnete Kapitalwerte (angenommener Zins: 5 % p.a.)
Tabelle 6: Aufsummierte Kapitalwerte

Es zeigt sich, dass trotz einer Betrachtung über 50 Jahren am Ende noch ein negativer Kapitalwert von -28.720,37 € verbleibt. Aus rein finanzieller Sicht wäre das Eigenheim also keine gute Investition, denn Herr Müller wäre heute um eben diese 28.720,37 € bessergestellt, wenn er sich entscheidet, weiterhin seine monatliche Miete zu zahlen und dafür die 120.000 € zu 5 % p.a. zu investieren. Nochmals sei betont, dass es sich hier um eine extrem stark vereinfachte Rechnung mit rein fiktiven Zahlen handelt. In der Abbildung unten siehst Du den zeitlichen Verlauf der aufsummierten Kapitalwerte.

Abbildung 2: Grafische Darstellung der aufsummierten Kapitalwerte aus Tabelle 6

Wir können erkennen, dass der Kapitalwert der Investition in ein Eigenheim mit zunehmender Nutzungsdauer immer langsamer anwächst und sich langfristig gesehen einer oberen Grenze anbahnt. Glücklicherweise gibt es eine einfache Faustregel, mit der man die Höhe dieser Obergrenze berechnen kann. Diese gilt allerdings nur, wenn alle Zahlungen in der Zukunft wie in den Beispielen immer gleich hoch sind (was sie in der Wirklichkeit nicht sind, aber für eine Überschlagsrechnung funktioniert dieser Ansatz). Die Regel lautet dann: Teile die regelmäßige Zahlung durch den angenommenen Zinssatz und ziehe die Anfangskosten ab. Versuchen wir es mal für das Beispiel des Eigenheims:

Gleichung 1: Berechnung des langfristigen Kapitalwerts der Investition in ein Eigenheim

Aus Abbildung 2 können wir tatsächlich erahnen, dass sich die Kurve immer weiter der -20.000 €-Marke annähern würde, wenn wir einen noch längeren Betrachtungszeitraum wählen würden. Ob eine so langfristige Planung allerdings wirtschaftlich sinnvoll ist, ist natürlich eine berechtigte Frage. Generell lässt sich sagen, dass der mit der Faustregel berechnete Kapitalwert mit zunehmenden Zins schneller erreicht wird.

Renditedreieck

Wie viel Rendite gibt’s an der Börse?

In meinem ersten Artikel möchte ich Euch zeigen, welche Renditen an den Finanzmärkten erwirtschaftet werden können. Hierzu möchte ich Euch eine Statistik zeigen, die mich vor gut zwei Jahren dazu bewegt hat Geld langfristig in Aktien zu investieren. Es handelt sich dabei um das sogenannte Renditedreieck des deutschen Aktienindex (DAX). Diese Statistik wird jährlich vom deutschen Aktieninstitut (DAI) berechnet und veröffentlicht. Dazu habe ich eine Excel-Datei erstellt, mit der Ihr Euch dieses Dreieck auch für jeden beliebigen anderen Finanztitel berechnen lassen könnt, sofern Ihr die Jahresschlusskurse kennt. Für die gängigen Aktienindizes findet Ihr diese auch recht schnell bei Wikipedia.

Was zeigt uns das Renditedreieck?
Im Prinzip ist das Renditedreieck eine Tabelle, die uns die durchschnittliche Jahresrendite zeigt, wenn ich am Ende von Jahr x in den Index investiert und am Ende von Jahr y wieder ausgestiegen wäre. Schauen wir uns das mal in dem untenstehenden Screenshot am Beispiel des NASDAQ 100 an. Die markierte Spalte zeigt die jährliche Rendite am Ende des Jahres 2012 in Abhängigkeit vom Einstiegsjahr. Die markierte Zeile stellt die Renditen seit Ende 2003 in Abhängigkeit vom Ausstiegsjahr dar. Hätten wir also beispielsweise Ende 2003 über einen ETF Geld in den NASDAQ 100 investiert und hätten den ETF Ende 2012 wieder verkauft, hätten wir eine jährliche Durchschnittsrendite erwirtschaftet. Das entspricht einer Gesamtrendite von über 80%!

Das Renditedreieck zeigt imposante Chancen an den Börsen: Wer Ende 2003 bis Ende 2012 in des NASDAQ 100 investierte, erzielte eine Rendite i.H.v. 6,8 % p.a.

Wie sieht es bei anderen Indizes aus?

Wenn Ihr Euch die Excel-Datei öffnet, findet Ihr in den einzelnen Reitern Renditedreiecke zu weiteren Indizes sowie dem Gold- und Silberpreis. Ihr könnt die Blätter auch kopieren und dann die Jahresschlusskurse weiterer Indizes eintragen. Die von mir eingetragenen Werte habe ich aus Wikipedia entnommen. Wenn wir die einzelnen Renditedreiecke vergleichen fallen folgende Gemeinsamkeiten auf:

  • kurzfristige Kursschwankungen gleichen sich langfristig aus
  • ab einer Haltedauer von ca. 15 Jahren ist ein Verlust extrem unwahrscheinlich
  • langfristig sind eher Renditen von 7-8 % p.a. realistisch
  • nach harten Zeiten (z.B. Weltwirtschaftskrise, 2. Weltkrieg,…) haben sich die Kurse schnell wieder erholt