Kuppelproduktion Teil 1: Die Natur bestimmt unseren Konsum

In diesem und dem folgenden Artikel möchte ich mich einem Phänomen der industriellen Produktionstechnik widmen, die ganz maßgeblich unseren Alltag bestimmt, aber den meisten Menschen kaum bewusst ist. Ich möchte zeigen, wie die Kuppelproduktion unsere Wirtschaft und unseren Konsum beeinflusst.

Was ist Kuppelproduktion?

In der Fertigungstechnik stellen solche Arbeitsschritte, bei denen neben dem eigentlichen Produkt noch weitere Erzeugnisse entstehen, eine Kuppelproduktion dar. Im allgemeinen Sinne stellt dies den Regelfall in der industriellen Produktion dar, da bei nahezu jedem Fertigungsschritt auch Abfälle, Abgase oder unbrauchbare Reststoffe entstehen. Für die nachfolgende Überlegung möchte ich mich jedoch ausschließlich auf die Betrachtung vermarktbarer Nebenprodukte konzentrieren und Abfälle usw. ausschließen.

Solche Arten von Kuppelproduktion finden wir unter anderem in der chemischen Industrie. Auch bei physikalischen Prozessen, wie etwa der Stromerzeugung in einem Kraftwerk handelt es sich um eine Kuppelproduktion, da nur ein geringer Anteil der erzeugten Wärme in elektrische Energie übersetzt werden kann. Dieser Anteil wird als sogenannter Wirkungsgrad bezeichnet. Bei diesen Beispielen bestimmen ganz klar die Naturgesetze, in welchen Verhältnissen die Produkte bzw. Nebenprodukte entstehen. Ich möchte im Folgenden aufzeigen, wie stark diese Art von Naturgesetzen unseren täglichen Konsum bestimmen.

Betrachten wir dazu die Herstellung verschiedener Kraftstoffe in einer Erdölraffinerie. In Abbildung 1 habe ich die ungefähren Mengenverhältnisse der Produkte einer Erdölraffinerie dargestellt. Die genauen Anteile schwanken immer ein wenig in Abhängigkeit von den eingesetzten Ölsorten und Destillationsverfahren.

Abbildung 1: Ungefähre Mengenverhältnisse der Produkte einer Erdölraffinerie. Quelle (Stand 04.05.2020)

Wie bestimmt die Kuppelproduktion unseren Konsum?

Immerhin kann mit Benzin, Diesel und Flüssiggas der überwiegende Teil des Erdöls in Stoffe umgewandelt werden, die wir gut in unserem Alltag gebrauchen können. Das führt dazu, dass die Hersteller dieser Stoffe eine Gesamtkostenrechnung aufstellen können. Die Kosten für die Förderung und Verarbeitung des Erdöls können auf die Preise der einzelnen Produkte verteilt werden. Damit kann der Hersteller die Kraft- und Heizstoffe günstiger anbieten. Doch was würde passieren, wenn wir unser Konsumverhalten ändern würden und beispielsweise den Dieselmotor in Kraftfahrzeugen aus fragwürdigen Gründen des Umweltschutzes verbieten würden? Natürlich gäbe es noch immer einen Bedarf an Diesel, beispielsweise um es als Heizöl zu nutzen. Aber die Nachfrage und damit die Erlöse der Erdölförderer würde massiv einbrechen. Der Hersteller müsste nun die unveränderten Herstellungskosten durch höhere Preise der übrigen Erdölprodukte kompensieren. Das würde unter anderem bedeuten:

  • Benzin und damit die Unterhaltung von rund 2/3 aller deutschen PKWs wird teurer.
  • Flugpreise steigen durch höhere Kerosinkosten. Dein nächster Urlaub mit dem Flieger wird teuer.
  • Falls Du lieber in den Campingurlaub fährst, wird auch dieser durch die Kosten für Flüssiggas aufwändiger.
  • Kosten für andere Industriesektoren steigen ebenfalls. Diese Mehrkosten werden an den Kunden weitergereicht. So entsteht indirekt eine Inflation für alle Produkte.

Wie Du sicher erkannt hast, halte ich wenig davon, den Dieselantrieb gesetzlich zu verbieten oder auch nur einzuschränken, denn wir müssen uns bei unserem Konsum an den Naturgesetzen (und damit in diesem Fall an den produzierbaren Mengenverhältnissen) orientieren. Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen das auch weiter tun werden. Selbst wenn eine Regierung auf die Idee käme, den Einsatz von Diesel im Straßenverkehr zu verbieten, würde der ungenutzte Kraftstoff aufgrund der geringen Nachfrage einen Preissturz erfahren und fortan in wenig effizienten Ölheizungen verfeuert werden. Dies ist also ein weiteres Argument gegen staatliche Eingriffe in den Konsum von Erdölprodukten.

Ein ganz ähnlicher Effekt tritt auf, wenn es Schiffen auf hoher See untersagt wäre Schweröl als Kraftstoff zu verwenden. Für diesen Stoff gäbe es dann kaum noch sinnvolle Verwendungszwecke, sodass sogar Kosten für eine umweltgerechte Entsorgung entstehen würden. Diese Kosten sowie die entgangenen Erlöse durch die Reedereien müssten die ölfördernden Firmen durch höhere Preise auf die übrigen Erdölprodukte kompensieren mit ähnlichen Folgen wie bei einem Verbot des Dieselkraftstoffs. Auch hier möchte ich mich gegen staatliche Eingriffe in den Konsum von Energieträgern aussprechen. Sinnvoller erscheint es mir hier, wirkungsvolle Katalysatoren zur Reinigung der im Schiffsdieselmotor entstehenden Abgase einzusetzen.

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