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Nutzwertanalyse

Bessere Entscheidungen treffen mit der Nutzwertanalyse

Stehst Du vor einer (folgen-)schweren Entscheidung? Du weißt nicht was Du tun sollst? Es gibt zu viele Möglichkeiten und zu viele Bedingungen zu berücksichtigen? Dann ist die Nutzwertanalyse (NWA) genau das richtige für Dich! In diesem Artikel erfährst Du, wie sie funktioniert und Du bekommst am Ende des Artikels ein kostenloses Excel-Tool zum Download angeboten.

Worum geht es bei der NWA?

Die Methode, die ich Dir vorstellen möchte eignet sich vor allem für folgenschwere Entscheidungen bei denen Du viele Handlungsalternativen und / oder viele Aspekte berücksichtigen musst. Da die Durchführung mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, solltest Du sie daher nicht für einfache Entscheidungen mit geringer Tragweite einsetzen. Bei solchen Problemen kann ggf. eine einfache Pro-Contra-Liste hilfreich sein.

Die NWA dagegen ist ein Vorgehen, bei dem die möglichen Optionen anhand definierter Kriterien bewertet werden. Die einzelnen Kriterien können auch unterschiedlich stark gewichtet werden, wenn sie eine unterschiedlich starke Bedeutung für den Anwender der NWA haben. Für jede Handlungsalternative ergibt sich so eine Gesamtwertung, die ich im Folgenden „Nutzwert“ nennen werde. Je höher der Nutzwert, desto besser die Lösung. Die Höhe des Nutzwertes sagt etwas darüber aus, wie gut die Alternativen einer optimalen Lösung entsprechen. Ein Nutzwert von 100 % bedeutet, dass dies die beste Entscheidung hinsichtlich aller Kriterien ist (es gibt also kein Kriterium, bei dem eine andere Alternative besser abschneidet). Ein Nutzwert von 0 % dagegen würde auf die größtmöglichen Nachteile hinweisen.

Praxisbeispiel: die Wahl eines Ausbildungsberufs

Ich möchte das detaillierte Verfahren nun anhand eines Beispiels erklären. Betrachten wir dazu Mario, der sich gegen Ende seiner Schulzeit fragt, welchen Ausbildungsberuf er wählen soll. Er hat bereits eine Vorauswahl getroffen und schwankt nun zwischen den Berufen Maurer, Klempner, Industrieelektriker, Dachdecker und Maler. Als Kriterien für seine Entscheidung will er das Gehalt im ersten Lehrjahr, das Gehalt als Geselle, die Ausbildungsdauer, die ungefähre Anzahl freier Stellen, sein persönliches Interesse sowie seine Begabung für den Beruf berücksichtigen. Die letzten beiden Kriterien bewertet er mit ein bis fünf Punkten, für alle weiteren Kriterien hat er Zahlen im Internet recherchiert. Diese sind in Tabelle 1 dargestellt. Beachte, dass die Zahl der Ausbildungsjahre als negative Zahlen dargestellt sind, weil hier die Bewertung umgekehrt ist (je mehr Jahre, desto schlechter).

Außerdem muss sich Mario überlegen, wie er die Kriterien gewichten will. Um die Entscheidung möglichst objektiv zu gestalten, kann er jede Kombination aus zwei der sechs Kriterien betrachten und entscheiden, was ihm wichtiger ist. Die meisten Kriterien sind Mario gleich wichtig, aber er legt besonderen Wert darauf, dass es viele freie Stellen gibt und dass sein zukünftiger Beruf seinen persönlichen Interessen entspricht. In Tabelle 2 sind die einzelnen Vergleiche zwischen den Kriterien dargestellt. Daraus ergibt sich die Gewichtung der Kriterien aus Abbildung 1.

Tabelle 1: Fiktive Bewertungen der Ausbildungsberufe.
Tabelle 2: Vergelich der Kriterien zur Gewichtung.

Abbildung 1: Gewichtung der Bewertungskriterien als Ergebnis aus Tabelle 2.

Nun stellt sich die spannende Frage, welcher Ausbildungsberuf für Mario am besten geeignet ist. Dazu wird in meinem Excel-Tool der Nutzwert berechnet. Je höher dieser ist, desto besser ist die entsprechende Handlungsalternative. Zur schnelleren Erkennbarkeit gibt das Tool auch die Rangfolge der Alternativen an. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 dargestellt. Hier können wir erkennen, dass Mario – wie sollte es anders sein – Klempner werden sollte.

Tabelle 3: Nutzwert und Rang der bewerteten Ausbildungsberufe.

Damit sich Mario noch einmal die Folgen seiner Entscheidung bewusst machen kann, erstellt das Excel-Tool ihm ein Netzdiagramm, dass ich in Abbildung 2 dargestellt habe. Jede farbige Linie steht für eine Handlungsalternative. Jede Ecke des Netzes steht für ein Bewertungskriterium. Betrachten wir mal die orangene Linie, die für den Ausbildungsberuf des Klempners steht etwas genauer. In den Kategorien Talent und Interesse steht diese Linie bei 1. Das bedeutet, dass der Beruf des Klempners für diese Kategorien die beste Handlungsalternative darstellt. Leider können wir auch erkennen, dass die orangene Kurve bei den Kriterien der freien Stellen, der Ausbildungsdauer sowie dem Gehalt nach der Ausbildung sehr weit im inneren Bereich des Diagramms läuft. Für diese Kriterien ist der Klempnerjob eine schlechte Option. Beim Ausbildungsgehalt zeigt die orangene Linie einen Wert von 0,94. Dieses Gehalt entspricht also 94 % vom höchsten Ausbildungsgehalt aller betrachteten Berufe.

Abbildung 2: Netzdiagramm der Handlungsoptionen.

Ich hoffe, dass ich an diesem Beispiel das Konzept der NWA sowie die Funktionsweise meines Excel-Tools verdeutlichen konnte. Meiner Meinung nah liegt der größte Vorteil darin, Entscheidungen von hoher Komplexität zu vereinfachen und objektiver zu Gestalten. Allerdings gehen die persönlichen Vorlieben und Präferenzen nicht verloren, da eine unterschiedlich starke Gewichtung der Bewertungskriterien möglich ist. Ich werde demnächst mal eine etwas umfangreichere Nutzwertanalyse durchführen, um verschiedene PKW-Antriebskonzepte zu vergleichen.

Bundestagswahlen

Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre…

In diesem Artikel möchte ich die aktuellen Umfrageergebnisse zur sogenannten Sonntagsfrage untersuchen und ein entsprechendes Excel-Tool zur Verfügung stellen, welches Ihr Euch wie immer am Ende dieses Artikels kostenfrei herunterladen könnt. Bei der Sonntagsfrage werden Personen gefragt, welche Partei sie mit der Zweitstimme wählen würden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären. Die Umfrageergebnisse aller großen Umfrageinstitute werden regelmäßig auf https://www.wahlrecht.de/umfragen/ veröffentlicht.

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen

Bevor wir in die weitere Analyse einsteigen, werfen wir einen Blick auf die aktuellen Umfragewerte, die ich in Tabelle 1 dargestellte habe. Als kleiner Disclaimer sei gesagt, dass ich weder Mitglied noch Sympathisant einer der im Bundestag vertretenen Parteien bin. Dennoch beteilige ich mich an den Wahlen, um für das geringste Übel zu stimmen. Ginge es nach mir würden wir unser Parlament erst einmal auf 200 Mandate verschlanken und eine maximale Mandatsdauer von zwei Legislaturperioden vorschreiben, sodass keine Berufspolitiker, sondern erfolgreiche Menschen aus der Praxis unser Land regieren. Aber ich schweife ab…

Tabelle 1: Aktuelle Umfrageergebnisse zur Sonntagsfrage. Quelle (Stand: 09.05.2020)

Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 hat die Union um etwa 5 % zugelegt. Die größten Gewinner sind jedoch die Wohlstands-Verhinderer der Grünen mit rund 8 %. Alle anderen Parteien haben in den letzten zwei Jahren Wählerstimmen verloren. Da die Ergebnisse der verschiedenen Umfrageinstitute natürlich ein wenig voneinander abweichen, werde ich nachfolgend die Mittelwerte aus Tabelle 1 benutzen. Dazu fragt mein Excel-Tool automatisch die neusten Umfrageergebnisse von der o.g. Website ab und berechnet die in Tabelle 2 dargestellten Mittewerte. Außerdem erfolgt eine Prüfung ob ggf. eine der aufgeführten Parteien an der 5 %-Hürde scheitert. Das Tool geht davon aus, dass alle Parteien, die unter „Sonstige“ zusammengefasst werden, unter 5 % liegen und somit ebenfalls nicht in den Bundestag einziehen können. Damit lässt sich berechnen, wie viel Prozent benötigt werden, um die absolute Mehrheit zu bekommen. Wir erkennen, dass die FDP nur sehr knapp über 5 % liegt. Würde sie ein weiteres Prozent der Stimmen verlieren, hätte dies auch Auswirkungen auf die notwendigen Stimmen für eine absolute Mehrheit. Um dies zu verdeutlichen, habe ich in Tabelle 3 der FDP 1 % abgezogen und die Werte der anderen fünf Parteien um je 0,2 % erhöht. Nun sind nur noch rund 44,8 % anstatt 47,1 % für eine absolute Mehrheit erforderlich.

Tabelle 2: Mittelwerte der Umfrageergebnisse.
Tabelle 3: Alternatives Szenario mit FDP unter 5 %.

Welche Koalitionen sind möglich?

Nun interessiert uns natürlich, welche Parteien in einer Koalition gemeinsam die absolute Mehrheit erreichen können. Dazu werde ich nachfolgend sowohl die „echten“ Daten aus Tabelle 2 als auch das alternative Szenario ohne FDP aus Tabelle 3 betrachten. In der nachfolgenden Tabelle sind die Kombinationen von zwei Koalitionspartnern dargestellt (auch wenn es nicht ganz korrekt ist, zähle ich CDU und CSU als eine Partei). Die grün markierten Zellen weisen auf Koalitionen hin, die rechnerisch die absolute Mehrheit erwirken können. In Tabelle 4 findest Du die Ergebnisse aus den originalen Umfragedaten und in Tabelle 5 analog das alternative Szenario ohne die FDP.

Tabelle 4: Mögliche Koalitionen (grün) auf Grund der originalen Umfrageergebnisse.
Tabelle 5: Mögliche Koalitionen (grün) im alternativen Szenarion ohne die FDP.

Wir erkennen, dass durch das Ausscheiden der FDP eine weitere Koalition zwischen Union und Linkspartei möglich wird. Eine solche Allianz wäre sicherlich verstörend, aber angesichts der Vorfälle nach der Landtagswahl in Thüringen sicher nicht undenkbar. In dem Excel-Tool gibt es außerdem die Möglichkeit alle Kombinationen von drei Parteien durchzurechnen. Allerdings wird die Tabelle dadurch sehr groß, sodass ich sie hier nicht darstellen möchte.

Meine Meinung zu unserer Parteienlandschaft

Abschließend möchte ich einen kleinen Kommentar zu den von mir favorisierten Koalitionen. Ich hatte bereits erwähnt, dass mich keine der im Bundestag vertretenden Parteien überzeugt. Die AfD legt zwar häufig den Finger zu Recht in die Wunden der etablierten Parteien, fordert aber auch die Wiedereinführung der Wehrpflicht und hat einige wenige politische Spinner in ihren Reihen. Die Union, für die Internet Neuland ist, ist nur darauf bedacht, das Geld den Großkonzernen zuzuschieben, vernachlässigt aber die innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie die Forschung an Zukunftsthemen. Die FDP ist zwar nicht ganz so konservativ, aber für eine echte liberale Partei dann doch nicht freiheitsliebend genug. Wenn es hart auf hart kommt, fügt sie sich doch wieder dem Willen der altmodischen Union. SPD, Grüne und Linkspartei bilden für mich einen gemeinsamen sozialistischen Block, in dem es kaum Unterschiede gibt. Alle drei Parteien sind darauf bedacht, den Wohlstand schaffenden Menschen in unserer Gesellschaft Steine in den Weg zu legen und die Planwirtschaft in Deutschland weiter zu etablieren. Welche Partei wähle ich also? Ich nehme die Partei, die eine Bildung von Koalitionen erschwert. In diesem Fall wäre es die FDP, damit das von mir skizzierte Alternativszenario nicht eintritt. Ich möchte damit erreichen, dass es nach der Wahl möglichst lange dauert, bis sich eine Koalition gebildet hat, die neue Schwachsinns-Gesetze über uns ausschütten kann. Meine Idealvorstellung wäre eine Minderheitsregierung. Ich bin davon überzeugt, dass in wirklich schweren Krisen auch Parlamente mit Minderheitsregierungen Mehrheitsbeschlüsse erzielen können, aber eben nur für wirklich wichtige Maßnahmen in dringenden Fällen. Das bedeutet natürlich, dass unsere Abgeordneten wieder ernsthaft miteinander diskutieren müssten, anstatt Ideologien der regierenden Parteien politisch durchzudrücken.

Der Weg zur finanziellen Freiheit

Möchtest Du ein großes Vermögen aufbauen? Träumst auch Du davon, so hohe Zinsen bzw. Kapitalerträge zu erzielen, dass Du allein damit Deine kompletten Ausgaben decken kannst und nie wieder arbeiten musst? Oder möchtest Du sogar so hohe Renditen bekommen, dass sich Dein Geld stärker vermehrt als Du es ausgibst? Was auch immer Dein finanzielles Ziel ist, im heutigen Artikel geht es darum, wie viel Kapital wir benötigen, um diese Ziele zu erreichen und wie lange wir dafür Sparen müssen. Da ich hier meine persönlichen Einkünfte usw. nicht veröffentlichen möchte, werde ich einige Beispielrechnungen mit fiktiven Zahlen durchführen. Am Ende findest Du wieder eine kostenlose Excel-Datei, mit der Du meine Kalkulation mit Deinen individuellen Gegebenheiten (Einkommen, Alter, …) nachrechnen kannst.

Wie bereits in der Einleitung angedeutet, scheint es mehrere Stufen der finanziellen Freiheit zu geben. Diese möchte ich auch in meiner nachfolgenden Überlegung berücksichtigen. Für mich ist die erste Stufe der finanziellen Freiheit dann erreicht, wenn meine Kapitalerträge meinen Ausgaben entsprechen, sodass ich von den Zinsen, Dividenden und Renditen leben kann. An dieser Stelle stimmen mir sicherlich viele von Euch zu. Allerdings müssen wir dazu natürlich auch erst einmal unsere jährlichen Ausgaben kennen. In einem anderen Artikel habe ich bereits eine Vorlage für ein Haushaltsbuch vorgestellt, mit der Du ganz bequem Deine Kosten im Blick behalten kannst.  Für mein Beispiel gehe ich von 1.200 € pro Monat, also 14.400 € pro Jahr aus. Diesen Betrag müssen wir durch Kapitalerträge erzielen, um die erste Stufe der finanziellen Freiheit zu erlangen. Alle weiteren Stufen habe ich als Vielfache dieses Betrags definiert, wie in Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1: Die Stufen der finanziellen Freiheit (meine persönliche Definition).

Wir müssen jedoch auch bedenken, dass unser Geld aufgrund der Inflation kontinuierlich an Wert verliert. Damit wir in der Zukunft ein Einkommen haben, dass den Werten aus Tabelle 1 mit Geldwert von heute entspricht, muss das Einkommen so hoch sein, dass es die Inflation ausgleicht. Ich gehe in meinem Beispiel von einer jährlichen Inflation in Höhe von 2% aus. Das hört sich zunächst nicht nach besonders viel an. Wir sollten aber bedenken, dass wir wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte benötigen werden, um die Stufen der finanziellen Freiheit hinaufzusteigen. Bei der angenommenen Inflation hat das Geld bereits nach 20 Jahren ein Drittel seines Wertes verloren.

Ein weiterer Aspekt ist, dass wir auf unsere Kapitalerträge Steuern bezahlen müssen. Damit wir wirklich finanziell frei sind, müssen die in Tabelle 1 genannten Erträge unseren Nettoeinnahmen entsprechen (also den Einnahmen nach Steuer). Natürlich kann niemand seriös vorhersagen, wie die Steuergesetzgebung in 20 oder 40 Jahren aussehen wird. Daher werde ich für meine Berechnung die derzeit veranschlagten 25 % annehmen, den Grundfreibetrag in Höhe von 801 € vernachlässige ich.

Wie viel Kapital benötige ich für die finanzielle Freiheit?

Wir haben also verstanden, dass durch Steuern und Inflation der Wert unserer zukünftigen Einnahmen gemindert wird. Wir müssen also mehr Kapital investieren, um diese Wertminderung zu kompensieren. Zudem ist die Höhe des Vermögens, mit dem wir die finanzielle Freiheit erreichen von unserer jährlichen Rendite abhängig: je höher diese ist, desto weniger Kapital benötigen wir, um das gleiche Einkommen zu erzielen. Daher habe ich in meinem Excel-Programm die Möglichkeit, verschiedene Renditen „durchzuspielen“. In Tabelle 2 siehst du einen entsprechenden Ausschnitt, in dem ich einige Zeilen und Spalten ausgeblendet habe, um die Darstellung kompakt zu halten. Falls Du Dich fragst, wie so hohe Renditen in Zeiten der Nullzinspolitik überhaupt möglich sind, möchte ich auf diesen Artikel verweisen, in dem ich anhand von Renditedreiecken, die Möglichkeiten an der Börse gezeigt habe.

Tabelle 2: Entwicklung des Realvermögens in Abhängigkeit von der Laufzeit und Kapitalrendite.

Neben den bereits erwähnten Annahmen bin ich von einem Startkapital in Höhe von 1.000 € und einem Alter des Benutzers von 25 Jahren ausgegangen. Außerdem gehe ich davon aus, dass wir zu Beginn jeden Monat zusätzliche 500 € investieren und diesen Betrag jedes Jahr um 3 % (nominal, also inkl. Inflation) steigern. Das ist sicherlich ein sehr hoch gestecktes Ziel, aber wäre es leicht, hätten weniger Menschen auf der Welt Finanzprobleme. In der Tabelle 2 sehen wir nun die Entwicklung unseres realen (also inflationsbereinigten Vermögens) in Abhängigkeit von der jährlichen Rendite sowie der Laufzeit. Die Steigerung, die sich von einer Zeile zur nächsten ergibt, setzt sich also dem jährlich gesparten Geldbetrag sowie den versteuerten Kapitalerträgen meines Vorjahresvermögens zusammen. Die Farben der Zahlen geben einen Hinweis auf den Zeitpunkt, zu dem eine Stufe der finanziellen Freiheit erreicht wurde. Die Farben entsprechen dabei der Staffelung aus Tabelle 1. In unserem Beispiel könnten wir mit einer jährlichen Rendite von 8 % p.a. nach 30 Jahren, also im Alter von 55 Jahren die zweite Stufe der finanziellen Freiheit erlangen, hätten also nach Steuern doppelt so hohe Kapitaleinkünfte wie Ausgaben.

Betrachten wir nun einmal den Zeitraum, den wir brauchen, um die erste Stufe der finanziellen Freiheit zu erlangen. Natürlich wir dieser mit zunehmender Rendite immer kleiner. Interessant ist jedoch, dass sich bei hohen Renditen der Zeitraum bis zur finanziellen Freiheit nur noch geringfügig verkürzt. Dazu habe ich in Tabelle 3 den Zeitraum bis zur finanziellen Freiheit in Abhängigkeit von der jährlichen Rendite eingetragen.

Tabelle 3: Notwendige Laufzeit bis zur finanziellen Freiheit in Abhängigkeit von der Rendite.

Wir müssen also festhalten, dass es für die meisten von uns ein langer und steiniger Weg zur finanziellen Freiheit ist. Aus meiner Sicht lohnt es sich jedoch diesen zu gehen. Mir gefällt der Gedanke, das ein oder andere Mal auf Urlaub zu verzichten, um dafür eher in Rente gehen zu können. Falls Ihr das auch so seht, sollten wir uns auf diesem anstrengenden Weg gegenseitig helfen. Dazu werde ich auch in Zukunft weitere Tool, Ideen und Vorschläge zu finanziellen Themen vorstellen.

Mein Haushaltsbuch

Im heutigen Artikel möchte ich mich einmal dafür aussprechen, die eigenen Finanzen genau im Blick zu behalten und regelmäßig zu überprüfen. Nur so können wir sicherstellen, dass wir kontinuierlich unser Vermögen vergrößern anstatt es aufzubrauchen. Meiner Meinung nach ist dafür das regelmäßige Führen eines Haushaltsbuches, also das genaue Dokumentieren alle Einnahmen und Ausgaben unerlässlich. Zur Erleichterung habe ich ein Excel-Tool erstellt, das Ihr am Ende dieses Artikels herunterladen könnt.

Wie funktioniert das Haushaltsbuch?

Da ein Haushaltsbuch vielleicht etwas altmodisch erscheint, ist mir auch klar, dass ich mir mit diesem Artikel nicht viele Freunde mache. Wir sollten aber bedenken, dass jedes Unternehmen ein aufwändiges Rechnungswesen betreibt. Dies geschieht natürlich zum Teil auch, um gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden, aber eben auch, unternehmensinterne Planungen zu ermöglichen. Ich erkenne keinen Grund, warum es für Unternehmen eine Buchführung sinnvoll sein sollte und für Privatpersonen nicht. Ich selbst habe bisher in drei Kalenderjahren in Abstand von je zwei Jahren ein Haushaltsbuch geführt und bin zu verblüffenden Erkenntnissen gelangt. Außerdem habe ich mir meine persönliche Sparquote berechnet. Da ich aber in diesem Artikel nicht meine persönlichen Einnahmen und Ausgaben preisgeben möchte, werde ich im Folgenden nur mit einigen Beispieldaten arbeiten. Diese sind für den Monat April in dem nachfolgenden Screenshot dargestellt.

Abbildung 1: Angenommene Einnahmen (schwarz) und Ausgaben (rot) für den April 2020.

In den weißen Zellen können alle Ein- und Ausgaben des Monats protokolliert werden. Damit regelmäßige Zahlungen nicht jeden Monat neu eingegeben werden müssen, sind sie im oberen Teil der Liste gebündelt aufgeführt und können so schnell in die Tabellen der übrigen Monate kopiert werden. Hier fällt sofort auf, dass ich mit Abschreibungen arbeite. Ich mache das, um zu verhindern, dass mir eine hohe Ausgabe, von der ich mehrere Monate oder Jahre einen Nutzen habe (Jahresurlaub, Auto,…), die Monatsstatistik verzerrt. Als Anhaltspunkt empfehle ich Euch, alle einmaligen Kosten oberhalb von 500 € über eine Abschreibung zu berücksichtigen.

In Abbildung 1 fällt außerdem auf, dass alle Ausgaben in Kategorien eingeteilt sind. Dies bietet den Vorteil, dass wir schnell erkennen können, wofür wir besonders viel Geld ausgeben. Dazu werden die Ausgaben in meiner Excel-Datei in einem Kreisdiagramm angezeigt, wie in Abbildung 2 dargestellt. So können Einsparpotentiale schneller identifiziert werden. Außerdem sehen wir im rechten Teil der Tabelle, dass wir einen Monatsgewinn von knapp 400 € erwirtschaftet haben.

Abbildung 2: Verhältnis aller Ausgaben aus Abbildung 1

Der Jahresabschluss und die Sparquote von Privatpersonen

Meine Excel-Tabelle bietet außerdem einen Reiter, in dem die Einnahmen und Ausgaben des gesamten Kalenderjahres zusammengefasst sind. Hier erhalten wir ein Diagramm ähnlich wie in Abbildung 2. Außerdem werden die Gewinne / -verluste der 12 Monate in einem Säulendiagramm dargestellt. Die wichtigste Funktion ist jedoch die Berechnung der Sparquote. Diese gibt an um wie viel Prozent meine Jahreseinnahmen die Ausgaben übersteigen.

Wie hoch sollte die Sparquote idealerweise sein? Das ist meiner Meinung nach eine Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt. Prinzipiell bin ich aber der Meinung, dass vor allem in jungen Jahren (also in den ersten Berufsjahren) eine besonders hohe Sparquote wichtig ist. Zwar ist es aufgrund des geringeren Gehalts in diesem Lebensabschnitt besonders schwer größere Beträge zur Seite zu legen, jedoch zahlt es sich auch am meisten aus, da der Zinseszinseffekt über einen längeren Zeitraum wirken kann. Schauen wir uns dazu noch einmal die beispielhaften Zahlungen aus Abbildung 1 am 18. April an. Hier hat eine Aktiengesellschaft unserer fiktiven Person 25 € Dividende gezahlt. Dazu wäre schon ein an der Börse angelegtes Vermögen in Höhe von 1.000 € notwendig, wenn wir von einer Dividendenrendite in Höhe von 2,5 % p.a. ausgehen. Aber das Sparen hat sich gelohnt, denn unsere Person hat die Dividende in einen Volkshochschulkurs „reinvestiert“, der ihre Karrierechancen erheblich verbessert.

Einige Personen treiben die Sparsamkeit auf die Spitze und erreichen Sparquoten von über 70 %. Diese sogenannten Frugalisten haben in der Regel das Ziel möglichst schnell ein großes Vermögen aufzubauen und so in vergleichsweise Jungen Jahren in Rente gehen zu können. Der Frugalist Oliver Noelting führt dazu diesen interessanten Blog und zeigt, wie man mit erstaunlich wenig Ausgaben ein faszinierendes Leben führen kann. Letztlich geht es also um einen möglichst zügigen Vermögensaufbau. Dazu werde ich demnächst einen Artikel zum Thema „finanzielle Freiheit“ veröffentlichen.