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Einkommenssteuer

Der Einkommensteuertarif in Deutschland

Die meisten Bundesbürger müssen einen immer größeren Anteil ihres Einkommens an den Staat abgeben, was zunehmend für Unmut sorgt. In meinem heutigen Artikel möchte ich zeigen wie der Steuersatz in Deutschland mit zunehmenden Einkommen steigt. Außerdem werde ich erklären was der Grenzsteuersatz ist und was es mit dem Phänomen der kalten Progression auf sich hat.

Die Höhe der zu zahlenden Einkommensteuer ist in § 32a Einkommensteuergesetz (EStG) festgelegt. Grundsätzlich gilt, dass der Steuersatz mit zunehmendem Einkommen immer größer wird. Das bedeutet, dass die Steuerlast überproportional mit dem Einkommen steigt. Warum das so ist, erschließt sich mir nicht, schließlich werden so die Leistungsträger unserer Gesellschaft viel stärker „bestraft“, als Menschen, die unsere Gesellschaft nur in geringem Maße vorantreiben. In Abbildung 1 habe ich den derzeit geltenden Zusammenhang zwischen Einkommen und Steuersatz mit der durchgezogenen Linie dargestellt. Auf der waagerechten Achse ist das Einkommen für Singles eingetragen (für verheiratete Paare müssen diese Werte verdoppelt werden).

Abbildung 1: Steuersatz (durchgezogene Linie) und Grenzsteuersatz (gestrichelte Linie) nach § 32a EStG. Stand: 29.05.2020

Erkennbar ist, dass der Steuersatz mit zunehmenden Einkommen sehr schnell ansteigt. Um diese Steigerung besser analysieren zu können, ist in Abbildung 1 zusätzlich der sogenannte Grenzsteuersatz als gestrichelte Linie eingezeichnet. Dieser ist ein Maß für die Steigerung der Steuerlast mit zunehmenden Einkommen. Konkret sagt er aus um wie viel Euro sich die Einkommensteuer erhöht, wenn sich das Einkommen um einen zusätzlichen Euro erhöht.

Beispiel anhand des Medianeinkommens

2018 betrug das Medianeinkommen in Deutschland 24.636 € brutto [1]. Das bedeutet, dass es genauso viele Menschen gab die weniger verdient haben wie Menschen, die mehr bekommen haben. Das ergibt einen Steuersatz in Höhe von rund 15 %, was 3.611 € entspricht. Der Grenzsteuersatz beträgt hier rund 28 %, d.h. ein zusätzlicher Euro im Einkommen müsste mit 28 Cent versteuert werden.

Ich empfehle dringend, bei jeder Steuererklärung den Grenzsteuersatz zu berechnen, denn dieser Wert ist äußerst nützlich, um die Steuerlast aus zukünftigen Erträgen bzw. die Steuererleichterung aus Steuerabsetzungen zu bestimmen.

Jetzt wo wir wissen, was der Grenzsteuersatz ist, sollten wir noch einmal einen Blick auf Abbildung 1 werfen. Offenbar ist der Steuersatz immer geringer als der Grenzsteuersatz. Diese beiden Größen dürfen also auf keinen Fall verwechselt werden.

Kalte Progression: die Inflation treibt die Steuerlast hoch

Der in Abbildung 1 dargestellte Einkommenssteuertarif gilt bereits seit 2014, also seit sechs Jahren. Bei einer jährlichen Inflation in Höhe von 2 % entsteht in diesem Zeitraum eine Geldentwertung auf 88,5 %. Selbst wenn die Löhne im gleichen Maß steigen, ist die Inflation für die Bürger gefährlich, da sich die Steuerlast erhöht. In Tabelle 1 habe ich die für eine solche Inflation die Effekte der kalten Progression vorgerechnet.

Tabelle 1: Folgen der kalten Progression bei jährlicher Inflation von 2 %.

Der Weg zur finanziellen Freiheit

Möchtest Du ein großes Vermögen aufbauen? Träumst auch Du davon, so hohe Zinsen bzw. Kapitalerträge zu erzielen, dass Du allein damit Deine kompletten Ausgaben decken kannst und nie wieder arbeiten musst? Oder möchtest Du sogar so hohe Renditen bekommen, dass sich Dein Geld stärker vermehrt als Du es ausgibst? Was auch immer Dein finanzielles Ziel ist, im heutigen Artikel geht es darum, wie viel Kapital wir benötigen, um diese Ziele zu erreichen und wie lange wir dafür Sparen müssen. Da ich hier meine persönlichen Einkünfte usw. nicht veröffentlichen möchte, werde ich einige Beispielrechnungen mit fiktiven Zahlen durchführen. Am Ende findest Du wieder eine kostenlose Excel-Datei, mit der Du meine Kalkulation mit Deinen individuellen Gegebenheiten (Einkommen, Alter, …) nachrechnen kannst.

Wie bereits in der Einleitung angedeutet, scheint es mehrere Stufen der finanziellen Freiheit zu geben. Diese möchte ich auch in meiner nachfolgenden Überlegung berücksichtigen. Für mich ist die erste Stufe der finanziellen Freiheit dann erreicht, wenn meine Kapitalerträge meinen Ausgaben entsprechen, sodass ich von den Zinsen, Dividenden und Renditen leben kann. An dieser Stelle stimmen mir sicherlich viele von Euch zu. Allerdings müssen wir dazu natürlich auch erst einmal unsere jährlichen Ausgaben kennen. In einem anderen Artikel habe ich bereits eine Vorlage für ein Haushaltsbuch vorgestellt, mit der Du ganz bequem Deine Kosten im Blick behalten kannst.  Für mein Beispiel gehe ich von 1.200 € pro Monat, also 14.400 € pro Jahr aus. Diesen Betrag müssen wir durch Kapitalerträge erzielen, um die erste Stufe der finanziellen Freiheit zu erlangen. Alle weiteren Stufen habe ich als Vielfache dieses Betrags definiert, wie in Tabelle 1 dargestellt.

Tabelle 1: Die Stufen der finanziellen Freiheit (meine persönliche Definition).

Wir müssen jedoch auch bedenken, dass unser Geld aufgrund der Inflation kontinuierlich an Wert verliert. Damit wir in der Zukunft ein Einkommen haben, dass den Werten aus Tabelle 1 mit Geldwert von heute entspricht, muss das Einkommen so hoch sein, dass es die Inflation ausgleicht. Ich gehe in meinem Beispiel von einer jährlichen Inflation in Höhe von 2% aus. Das hört sich zunächst nicht nach besonders viel an. Wir sollten aber bedenken, dass wir wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte benötigen werden, um die Stufen der finanziellen Freiheit hinaufzusteigen. Bei der angenommenen Inflation hat das Geld bereits nach 20 Jahren ein Drittel seines Wertes verloren.

Ein weiterer Aspekt ist, dass wir auf unsere Kapitalerträge Steuern bezahlen müssen. Damit wir wirklich finanziell frei sind, müssen die in Tabelle 1 genannten Erträge unseren Nettoeinnahmen entsprechen (also den Einnahmen nach Steuer). Natürlich kann niemand seriös vorhersagen, wie die Steuergesetzgebung in 20 oder 40 Jahren aussehen wird. Daher werde ich für meine Berechnung die derzeit veranschlagten 25 % annehmen, den Grundfreibetrag in Höhe von 801 € vernachlässige ich.

Wie viel Kapital benötige ich für die finanzielle Freiheit?

Wir haben also verstanden, dass durch Steuern und Inflation der Wert unserer zukünftigen Einnahmen gemindert wird. Wir müssen also mehr Kapital investieren, um diese Wertminderung zu kompensieren. Zudem ist die Höhe des Vermögens, mit dem wir die finanzielle Freiheit erreichen von unserer jährlichen Rendite abhängig: je höher diese ist, desto weniger Kapital benötigen wir, um das gleiche Einkommen zu erzielen. Daher habe ich in meinem Excel-Programm die Möglichkeit, verschiedene Renditen „durchzuspielen“. In Tabelle 2 siehst du einen entsprechenden Ausschnitt, in dem ich einige Zeilen und Spalten ausgeblendet habe, um die Darstellung kompakt zu halten. Falls Du Dich fragst, wie so hohe Renditen in Zeiten der Nullzinspolitik überhaupt möglich sind, möchte ich auf diesen Artikel verweisen, in dem ich anhand von Renditedreiecken, die Möglichkeiten an der Börse gezeigt habe.

Tabelle 2: Entwicklung des Realvermögens in Abhängigkeit von der Laufzeit und Kapitalrendite.

Neben den bereits erwähnten Annahmen bin ich von einem Startkapital in Höhe von 1.000 € und einem Alter des Benutzers von 25 Jahren ausgegangen. Außerdem gehe ich davon aus, dass wir zu Beginn jeden Monat zusätzliche 500 € investieren und diesen Betrag jedes Jahr um 3 % (nominal, also inkl. Inflation) steigern. Das ist sicherlich ein sehr hoch gestecktes Ziel, aber wäre es leicht, hätten weniger Menschen auf der Welt Finanzprobleme. In der Tabelle 2 sehen wir nun die Entwicklung unseres realen (also inflationsbereinigten Vermögens) in Abhängigkeit von der jährlichen Rendite sowie der Laufzeit. Die Steigerung, die sich von einer Zeile zur nächsten ergibt, setzt sich also dem jährlich gesparten Geldbetrag sowie den versteuerten Kapitalerträgen meines Vorjahresvermögens zusammen. Die Farben der Zahlen geben einen Hinweis auf den Zeitpunkt, zu dem eine Stufe der finanziellen Freiheit erreicht wurde. Die Farben entsprechen dabei der Staffelung aus Tabelle 1. In unserem Beispiel könnten wir mit einer jährlichen Rendite von 8 % p.a. nach 30 Jahren, also im Alter von 55 Jahren die zweite Stufe der finanziellen Freiheit erlangen, hätten also nach Steuern doppelt so hohe Kapitaleinkünfte wie Ausgaben.

Betrachten wir nun einmal den Zeitraum, den wir brauchen, um die erste Stufe der finanziellen Freiheit zu erlangen. Natürlich wir dieser mit zunehmender Rendite immer kleiner. Interessant ist jedoch, dass sich bei hohen Renditen der Zeitraum bis zur finanziellen Freiheit nur noch geringfügig verkürzt. Dazu habe ich in Tabelle 3 den Zeitraum bis zur finanziellen Freiheit in Abhängigkeit von der jährlichen Rendite eingetragen.

Tabelle 3: Notwendige Laufzeit bis zur finanziellen Freiheit in Abhängigkeit von der Rendite.

Wir müssen also festhalten, dass es für die meisten von uns ein langer und steiniger Weg zur finanziellen Freiheit ist. Aus meiner Sicht lohnt es sich jedoch diesen zu gehen. Mir gefällt der Gedanke, das ein oder andere Mal auf Urlaub zu verzichten, um dafür eher in Rente gehen zu können. Falls Ihr das auch so seht, sollten wir uns auf diesem anstrengenden Weg gegenseitig helfen. Dazu werde ich auch in Zukunft weitere Tool, Ideen und Vorschläge zu finanziellen Themen vorstellen.

Mein Haushaltsbuch

Im heutigen Artikel möchte ich mich einmal dafür aussprechen, die eigenen Finanzen genau im Blick zu behalten und regelmäßig zu überprüfen. Nur so können wir sicherstellen, dass wir kontinuierlich unser Vermögen vergrößern anstatt es aufzubrauchen. Meiner Meinung nach ist dafür das regelmäßige Führen eines Haushaltsbuches, also das genaue Dokumentieren alle Einnahmen und Ausgaben unerlässlich. Zur Erleichterung habe ich ein Excel-Tool erstellt, das Ihr am Ende dieses Artikels herunterladen könnt.

Wie funktioniert das Haushaltsbuch?

Da ein Haushaltsbuch vielleicht etwas altmodisch erscheint, ist mir auch klar, dass ich mir mit diesem Artikel nicht viele Freunde mache. Wir sollten aber bedenken, dass jedes Unternehmen ein aufwändiges Rechnungswesen betreibt. Dies geschieht natürlich zum Teil auch, um gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden, aber eben auch, unternehmensinterne Planungen zu ermöglichen. Ich erkenne keinen Grund, warum es für Unternehmen eine Buchführung sinnvoll sein sollte und für Privatpersonen nicht. Ich selbst habe bisher in drei Kalenderjahren in Abstand von je zwei Jahren ein Haushaltsbuch geführt und bin zu verblüffenden Erkenntnissen gelangt. Außerdem habe ich mir meine persönliche Sparquote berechnet. Da ich aber in diesem Artikel nicht meine persönlichen Einnahmen und Ausgaben preisgeben möchte, werde ich im Folgenden nur mit einigen Beispieldaten arbeiten. Diese sind für den Monat April in dem nachfolgenden Screenshot dargestellt.

Abbildung 1: Angenommene Einnahmen (schwarz) und Ausgaben (rot) für den April 2020.

In den weißen Zellen können alle Ein- und Ausgaben des Monats protokolliert werden. Damit regelmäßige Zahlungen nicht jeden Monat neu eingegeben werden müssen, sind sie im oberen Teil der Liste gebündelt aufgeführt und können so schnell in die Tabellen der übrigen Monate kopiert werden. Hier fällt sofort auf, dass ich mit Abschreibungen arbeite. Ich mache das, um zu verhindern, dass mir eine hohe Ausgabe, von der ich mehrere Monate oder Jahre einen Nutzen habe (Jahresurlaub, Auto,…), die Monatsstatistik verzerrt. Als Anhaltspunkt empfehle ich Euch, alle einmaligen Kosten oberhalb von 500 € über eine Abschreibung zu berücksichtigen.

In Abbildung 1 fällt außerdem auf, dass alle Ausgaben in Kategorien eingeteilt sind. Dies bietet den Vorteil, dass wir schnell erkennen können, wofür wir besonders viel Geld ausgeben. Dazu werden die Ausgaben in meiner Excel-Datei in einem Kreisdiagramm angezeigt, wie in Abbildung 2 dargestellt. So können Einsparpotentiale schneller identifiziert werden. Außerdem sehen wir im rechten Teil der Tabelle, dass wir einen Monatsgewinn von knapp 400 € erwirtschaftet haben.

Abbildung 2: Verhältnis aller Ausgaben aus Abbildung 1

Der Jahresabschluss und die Sparquote von Privatpersonen

Meine Excel-Tabelle bietet außerdem einen Reiter, in dem die Einnahmen und Ausgaben des gesamten Kalenderjahres zusammengefasst sind. Hier erhalten wir ein Diagramm ähnlich wie in Abbildung 2. Außerdem werden die Gewinne / -verluste der 12 Monate in einem Säulendiagramm dargestellt. Die wichtigste Funktion ist jedoch die Berechnung der Sparquote. Diese gibt an um wie viel Prozent meine Jahreseinnahmen die Ausgaben übersteigen.

Wie hoch sollte die Sparquote idealerweise sein? Das ist meiner Meinung nach eine Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt. Prinzipiell bin ich aber der Meinung, dass vor allem in jungen Jahren (also in den ersten Berufsjahren) eine besonders hohe Sparquote wichtig ist. Zwar ist es aufgrund des geringeren Gehalts in diesem Lebensabschnitt besonders schwer größere Beträge zur Seite zu legen, jedoch zahlt es sich auch am meisten aus, da der Zinseszinseffekt über einen längeren Zeitraum wirken kann. Schauen wir uns dazu noch einmal die beispielhaften Zahlungen aus Abbildung 1 am 18. April an. Hier hat eine Aktiengesellschaft unserer fiktiven Person 25 € Dividende gezahlt. Dazu wäre schon ein an der Börse angelegtes Vermögen in Höhe von 1.000 € notwendig, wenn wir von einer Dividendenrendite in Höhe von 2,5 % p.a. ausgehen. Aber das Sparen hat sich gelohnt, denn unsere Person hat die Dividende in einen Volkshochschulkurs „reinvestiert“, der ihre Karrierechancen erheblich verbessert.

Einige Personen treiben die Sparsamkeit auf die Spitze und erreichen Sparquoten von über 70 %. Diese sogenannten Frugalisten haben in der Regel das Ziel möglichst schnell ein großes Vermögen aufzubauen und so in vergleichsweise Jungen Jahren in Rente gehen zu können. Der Frugalist Oliver Noelting führt dazu diesen interessanten Blog und zeigt, wie man mit erstaunlich wenig Ausgaben ein faszinierendes Leben führen kann. Letztlich geht es also um einen möglichst zügigen Vermögensaufbau. Dazu werde ich demnächst einen Artikel zum Thema „finanzielle Freiheit“ veröffentlichen.

Kapitalwert – Was sind Zahlungen in der Zukunft wert?

Heute wollen wir mal versuchen die Gesamtkosten einer Verbindlichkeit bzw. die Gesamterlöse einer Investition über die gesamte Produktlebensdauer abzuschätzen. Was kostet mich beispielsweise ein neues Auto über die komplette Lebensdauer hinweg? Welche Ersparnis bringt die Investition in eine eigene Wohnung? Anhand dieser Fragestellungen werden wir erkennen, dass viele Menschen den Wert zukünftiger Ausgaben bzw. Einkünfte überschätzen. Um dies zu verdeutlichen, stelle ich in diesem Artikel ein grundlegendes Konzept aus der Finanzwirtschaft vor: den Kapitalwert.

Was sagt der Kapitalwert aus?

Der Kapitalwert (in manchen Quellen wird er auch Barwert genannt) bewertet eine Reihe von Zahlungen, die sich über mehrere Jahre erstreckt. Dies könnte zum Beispiel der oben genannte Autokauf sein, bei dem der Käufer sowohl den Kaufpreis zu Beginn als auch die Unterhaltungskosten (Kraftstoff, Steuer, Versicherung,…) in den Folgejahren berücksichtigen muss. Beim Kauf einer eigenen Wohnung entspricht dies dem Kaufpreis zu Beginn und den gesparten Mietkosten in den Folgejahren. Wohlgemerkt geht es hier um eine rein finanzielle Betrachtung, der Komfort eines neuen Autos oder einer neuen Wohnung wird nicht berücksichtigt.

Der Kapitalwert geht davon aus, dass Zahlungen in der Zukunft weniger wert sind als in der Gegenwart. Dies hat nichts mit Inflation zu tun, sondern mit der Tatsache, dass Du Einkünfte in der Gegenwart investieren kannst und so weitere Einnahmen erzielen kannst. In diesem Artikel über Renditedreiecke habe ich beispielsweise gezeigt, welche Einnahmen an der Börse möglich sind. Beispielsweise wäre es für Dich besser, wenn ich Dir heute 100 € schenke als erst in 10 Jahren. Denn bei einer Rendite von 5 % p.a. könntest Du aus diesem Geld in 10 Jahren rund 163 € machen. Diese Überlegung berücksichtigt der Kapitalwert. Schauen wir uns dazu beispielhafte Zahlen eines Autokaufs an. Zur Berechnung der Kapitalwerte habe ich wieder eine Excel-Datei erstellt, die Du Dir am Ende dieses Artikels kostenfrei herunterladen kannst.

Beispiel 1: Autokauf

Herr Meier hat sich für ein neues Automodell entschieden und überlegt, ob er einen Diesel- oder Ottomotor nehmen sollte. Der Dieselmotor ist in der Anschaffung teurer, dafür sind die Unterhaltungskosten etwas geringer.

Die für dieses Beispiel angenommenen Zahlungsreihen findest Du in der Tabelle 1 auf der rechten Seite. So kostet das Fahrzeug mit Ottomotor nur 25.000 €, während das gleiche Auto mit Dieselmotor mit stolzen 30.000 € zu Buche schlägt. Allerdings kostet beim Benziner die jährliche Unterhaltung 7.500 €, beim Diesel sind es nur 6.500 €. Herr Meier geht davon aus, dass er das Fahrzeug unabhängig vom gewählten Motor 15 Jahre nutzen und es anschließend für 2.000 € verkaufen kann (zur Vereinfachung des Beispiels vernachlässigen wir zunehmend steigende Reparaturkosten,…). Nun möchte Herr Meier wissen, was ihn beide Fahrzeugvarianten über die komplette Lebensdauer kosten würden.

Da Herr Meier sich ein wenig mit den Möglichkeiten an den Finanzmärkten auskennt, weiß er, dass er mit einer durchschnittlichen Rendite von 5 % auf sein investiertes Vermögen rechnen kann. Mit dieser Information kann er sich die Kapitalwerte der einzelnen Zahlungen berechnen. Die Ergebnisse sind rechts in Tabelle 2 dargestellt. Beispielsweise entsteht im fünften Jahr für das Diesel-Auto ein Kapitalwert von -5.092,92 €. Das bedeutet, dass Herr Meier heute 5.092,92 € zu 5 % p.a. anlegen müsste, um die Unterhaltungskosten des fünften Jahres zu decken. Der Kapitalwert zeigt mir also wie viel Geld ich heute mit einem festgelegten Zins sparen muss, um eine in der Zukunft liegende Zahlung zu begleichen. Die Kapitalwerte werden immer kleiner je weiter die Zahlungen in der Zukunft liegen, da Herr Meier mehr Zeit hat, um dieses Geld an den Finanzmärkten zu mehren.

Nun haben wir jedoch noch immer nicht geklärt, wie viel die Fahrzeuge insgesamt kosten. Dazu betrachten wir die aufsummierten Kapitalwerte, wie sie in der Tabelle 3 dargestellt sind. In jeder Zelle befindet sich die Summe aller bis zu diesem Zeitpunkt angefallenen Kapitalwerte. In der untersten Zeile können wir den Gesamtkapitalwert der Fahrzeuge ablesen. Hier schneidet der Dieselmotor mit -96.551,55 € besser ab als der Benziner. Dies sind die Kosten für die 15jährige Nutzung des Fahrzeugs als einmalige Zahlung in der Gegenwart. Herr Meier müsste also von diesem Geld zunächst das Auto bezahlen und den restlichen Betrag zu 5 % p.a. investieren und könnte so alle Unterhaltungskosten für die gesamte Lebensdauer bezahlen.

Tabelle 1: Angenommene Zahlungsreihen für ein neues Auto
Tabelle 2: Berechnete Kapitalwerte (angenommener Zins: 5 % p.a.)

Tabelle 3: Aufsummierte Kapitalwerte

Zum Vergleich: wenn ich nur die Werte aller 16 Zeilen aus Tabelle 1 ohne Berücksichtigung der Kapitalwerte aufsummiere, erhalte ich Gesamtkosten von -135.500 € (Benzin) und -125.500 € (Diesel). Verglichen mit den aufsummierten Kapitalwerten sind dies Abweichungen von rund 30 %. In der Abbildung 1 unten ist der zeitliche Verlauf der aufsummierten Kapitalwerte grafisch dargestellt. Hier sehen wir, dass sich bereits ab einer Nutzungsdauer von 5 Jahren der Kauf eines Dieselmotors lohnt.

Abbildung 1: Grafische Darstellung der aufsummierten Kapitalwerte aus Tabelle 3

Beispiel 2: Die eigene Immobilie

An dieser Stelle sei zunächst angemerkt, dass ich hier nicht alle Vor- und Nachteile einer selbstgenutzten Immobilie diskutieren, sondern lediglich ein einfaches Beispiel für eine Kapitalwertrechnung mit einer Investition präsentieren will. Der Kauf eines Autos ist in meinen Augen nämlich keine Investition, sondern eine Verbindlichkeit, da er in der Zukunft keine Einnahmen erzeugt, sondern Kosten generiert.

Betrachten wir nun folgendes Beispiel: Herr Müller spielt mit dem Gedanken ein Eigenheim für 120.000 € zu kaufen und aus der Wohnung, in der er derzeit zur Miete wohnt, auszuziehen. Damit würde er sich jedes Jahr 5.000 € Miete sparen. Diese Ersparnis kann als Ertrag aus der Investition in das Eigenheim angesehen werden. Um auch hier das Beispiel einfach zu halten, vernachlässigen wir weitere Kosten, etwa durch Steuern oder Reparaturen am Eigenheim. Da Herr Müller plant, das Eigenheim später zu vererben, kann er sehr langfristig planen und rechnet mit einer Nutzungsdauer von 50 Jahren. Außerdem rechnet er genau wie Herr Meier mit einer durchschnittlichen Rendite von 5 % p.a. auf investiertes Vermögen. In den nachfolgenden Tabellen habe ich analog zum ersten Beispiel die Zahlungsreihe, die entsprechenden Kapitalwerte sowie die aufsummierten Kapitalwerte dargestellt.

Tabelle 4: Investition und Ersparnisse eines Eigenheims

Tabelle 5: Berechnete Kapitalwerte (angenommener Zins: 5 % p.a.)
Tabelle 6: Aufsummierte Kapitalwerte

Es zeigt sich, dass trotz einer Betrachtung über 50 Jahren am Ende noch ein negativer Kapitalwert von -28.720,37 € verbleibt. Aus rein finanzieller Sicht wäre das Eigenheim also keine gute Investition, denn Herr Müller wäre heute um eben diese 28.720,37 € bessergestellt, wenn er sich entscheidet, weiterhin seine monatliche Miete zu zahlen und dafür die 120.000 € zu 5 % p.a. zu investieren. Nochmals sei betont, dass es sich hier um eine extrem stark vereinfachte Rechnung mit rein fiktiven Zahlen handelt. In der Abbildung unten siehst Du den zeitlichen Verlauf der aufsummierten Kapitalwerte.

Abbildung 2: Grafische Darstellung der aufsummierten Kapitalwerte aus Tabelle 6

Wir können erkennen, dass der Kapitalwert der Investition in ein Eigenheim mit zunehmender Nutzungsdauer immer langsamer anwächst und sich langfristig gesehen einer oberen Grenze anbahnt. Glücklicherweise gibt es eine einfache Faustregel, mit der man die Höhe dieser Obergrenze berechnen kann. Diese gilt allerdings nur, wenn alle Zahlungen in der Zukunft wie in den Beispielen immer gleich hoch sind (was sie in der Wirklichkeit nicht sind, aber für eine Überschlagsrechnung funktioniert dieser Ansatz). Die Regel lautet dann: Teile die regelmäßige Zahlung durch den angenommenen Zinssatz und ziehe die Anfangskosten ab. Versuchen wir es mal für das Beispiel des Eigenheims:

Gleichung 1: Berechnung des langfristigen Kapitalwerts der Investition in ein Eigenheim

Aus Abbildung 2 können wir tatsächlich erahnen, dass sich die Kurve immer weiter der -20.000 €-Marke annähern würde, wenn wir einen noch längeren Betrachtungszeitraum wählen würden. Ob eine so langfristige Planung allerdings wirtschaftlich sinnvoll ist, ist natürlich eine berechtigte Frage. Generell lässt sich sagen, dass der mit der Faustregel berechnete Kapitalwert mit zunehmenden Zins schneller erreicht wird.

Renditedreieck

Wie viel Rendite gibt’s an der Börse?

In meinem ersten Artikel möchte ich Euch zeigen, welche Renditen an den Finanzmärkten erwirtschaftet werden können. Hierzu möchte ich Euch eine Statistik zeigen, die mich vor gut zwei Jahren dazu bewegt hat Geld langfristig in Aktien zu investieren. Es handelt sich dabei um das sogenannte Renditedreieck des deutschen Aktienindex (DAX). Diese Statistik wird jährlich vom deutschen Aktieninstitut (DAI) berechnet und veröffentlicht. Dazu habe ich eine Excel-Datei erstellt, mit der Ihr Euch dieses Dreieck auch für jeden beliebigen anderen Finanztitel berechnen lassen könnt, sofern Ihr die Jahresschlusskurse kennt. Für die gängigen Aktienindizes findet Ihr diese auch recht schnell bei Wikipedia.

Was zeigt uns das Renditedreieck?
Im Prinzip ist das Renditedreieck eine Tabelle, die uns die durchschnittliche Jahresrendite zeigt, wenn ich am Ende von Jahr x in den Index investiert und am Ende von Jahr y wieder ausgestiegen wäre. Schauen wir uns das mal in dem untenstehenden Screenshot am Beispiel des NASDAQ 100 an. Die markierte Spalte zeigt die jährliche Rendite am Ende des Jahres 2012 in Abhängigkeit vom Einstiegsjahr. Die markierte Zeile stellt die Renditen seit Ende 2003 in Abhängigkeit vom Ausstiegsjahr dar. Hätten wir also beispielsweise Ende 2003 über einen ETF Geld in den NASDAQ 100 investiert und hätten den ETF Ende 2012 wieder verkauft, hätten wir eine jährliche Durchschnittsrendite erwirtschaftet. Das entspricht einer Gesamtrendite von über 80%!

Das Renditedreieck zeigt imposante Chancen an den Börsen: Wer Ende 2003 bis Ende 2012 in des NASDAQ 100 investierte, erzielte eine Rendite i.H.v. 6,8 % p.a.

Wie sieht es bei anderen Indizes aus?

Wenn Ihr Euch die Excel-Datei öffnet, findet Ihr in den einzelnen Reitern Renditedreiecke zu weiteren Indizes sowie dem Gold- und Silberpreis. Ihr könnt die Blätter auch kopieren und dann die Jahresschlusskurse weiterer Indizes eintragen. Die von mir eingetragenen Werte habe ich aus Wikipedia entnommen. Wenn wir die einzelnen Renditedreiecke vergleichen fallen folgende Gemeinsamkeiten auf:

  • kurzfristige Kursschwankungen gleichen sich langfristig aus
  • ab einer Haltedauer von ca. 15 Jahren ist ein Verlust extrem unwahrscheinlich
  • langfristig sind eher Renditen von 7-8 % p.a. realistisch
  • nach harten Zeiten (z.B. Weltwirtschaftskrise, 2. Weltkrieg,…) haben sich die Kurse schnell wieder erholt