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Einkommenssteuer

Der Einkommensteuertarif in Deutschland

Die meisten Bundesbürger müssen einen immer größeren Anteil ihres Einkommens an den Staat abgeben, was zunehmend für Unmut sorgt. In meinem heutigen Artikel möchte ich zeigen wie der Steuersatz in Deutschland mit zunehmenden Einkommen steigt. Außerdem werde ich erklären was der Grenzsteuersatz ist und was es mit dem Phänomen der kalten Progression auf sich hat.

Die Höhe der zu zahlenden Einkommensteuer ist in § 32a Einkommensteuergesetz (EStG) festgelegt. Grundsätzlich gilt, dass der Steuersatz mit zunehmendem Einkommen immer größer wird. Das bedeutet, dass die Steuerlast überproportional mit dem Einkommen steigt. Warum das so ist, erschließt sich mir nicht, schließlich werden so die Leistungsträger unserer Gesellschaft viel stärker „bestraft“, als Menschen, die unsere Gesellschaft nur in geringem Maße vorantreiben. In Abbildung 1 habe ich den derzeit geltenden Zusammenhang zwischen Einkommen und Steuersatz mit der durchgezogenen Linie dargestellt. Auf der waagerechten Achse ist das Einkommen für Singles eingetragen (für verheiratete Paare müssen diese Werte verdoppelt werden).

Abbildung 1: Steuersatz (durchgezogene Linie) und Grenzsteuersatz (gestrichelte Linie) nach § 32a EStG. Stand: 29.05.2020

Erkennbar ist, dass der Steuersatz mit zunehmenden Einkommen sehr schnell ansteigt. Um diese Steigerung besser analysieren zu können, ist in Abbildung 1 zusätzlich der sogenannte Grenzsteuersatz als gestrichelte Linie eingezeichnet. Dieser ist ein Maß für die Steigerung der Steuerlast mit zunehmenden Einkommen. Konkret sagt er aus um wie viel Euro sich die Einkommensteuer erhöht, wenn sich das Einkommen um einen zusätzlichen Euro erhöht.

Beispiel anhand des Medianeinkommens

2018 betrug das Medianeinkommen in Deutschland 24.636 € brutto [1]. Das bedeutet, dass es genauso viele Menschen gab die weniger verdient haben wie Menschen, die mehr bekommen haben. Das ergibt einen Steuersatz in Höhe von rund 15 %, was 3.611 € entspricht. Der Grenzsteuersatz beträgt hier rund 28 %, d.h. ein zusätzlicher Euro im Einkommen müsste mit 28 Cent versteuert werden.

Ich empfehle dringend, bei jeder Steuererklärung den Grenzsteuersatz zu berechnen, denn dieser Wert ist äußerst nützlich, um die Steuerlast aus zukünftigen Erträgen bzw. die Steuererleichterung aus Steuerabsetzungen zu bestimmen.

Jetzt wo wir wissen, was der Grenzsteuersatz ist, sollten wir noch einmal einen Blick auf Abbildung 1 werfen. Offenbar ist der Steuersatz immer geringer als der Grenzsteuersatz. Diese beiden Größen dürfen also auf keinen Fall verwechselt werden.

Kalte Progression: die Inflation treibt die Steuerlast hoch

Der in Abbildung 1 dargestellte Einkommenssteuertarif gilt bereits seit 2014, also seit sechs Jahren. Bei einer jährlichen Inflation in Höhe von 2 % entsteht in diesem Zeitraum eine Geldentwertung auf 88,5 %. Selbst wenn die Löhne im gleichen Maß steigen, ist die Inflation für die Bürger gefährlich, da sich die Steuerlast erhöht. In Tabelle 1 habe ich die für eine solche Inflation die Effekte der kalten Progression vorgerechnet.

Tabelle 1: Folgen der kalten Progression bei jährlicher Inflation von 2 %.