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Nutzwertanalyse

Bessere Entscheidungen treffen mit der Nutzwertanalyse

Stehst Du vor einer (folgen-)schweren Entscheidung? Du weißt nicht was Du tun sollst? Es gibt zu viele Möglichkeiten und zu viele Bedingungen zu berücksichtigen? Dann ist die Nutzwertanalyse (NWA) genau das richtige für Dich! In diesem Artikel erfährst Du, wie sie funktioniert und Du bekommst am Ende des Artikels ein kostenloses Excel-Tool zum Download angeboten.

Worum geht es bei der NWA?

Die Methode, die ich Dir vorstellen möchte eignet sich vor allem für folgenschwere Entscheidungen bei denen Du viele Handlungsalternativen und / oder viele Aspekte berücksichtigen musst. Da die Durchführung mit einem gewissen Aufwand verbunden ist, solltest Du sie daher nicht für einfache Entscheidungen mit geringer Tragweite einsetzen. Bei solchen Problemen kann ggf. eine einfache Pro-Contra-Liste hilfreich sein.

Die NWA dagegen ist ein Vorgehen, bei dem die möglichen Optionen anhand definierter Kriterien bewertet werden. Die einzelnen Kriterien können auch unterschiedlich stark gewichtet werden, wenn sie eine unterschiedlich starke Bedeutung für den Anwender der NWA haben. Für jede Handlungsalternative ergibt sich so eine Gesamtwertung, die ich im Folgenden „Nutzwert“ nennen werde. Je höher der Nutzwert, desto besser die Lösung. Die Höhe des Nutzwertes sagt etwas darüber aus, wie gut die Alternativen einer optimalen Lösung entsprechen. Ein Nutzwert von 100 % bedeutet, dass dies die beste Entscheidung hinsichtlich aller Kriterien ist (es gibt also kein Kriterium, bei dem eine andere Alternative besser abschneidet). Ein Nutzwert von 0 % dagegen würde auf die größtmöglichen Nachteile hinweisen.

Praxisbeispiel: die Wahl eines Ausbildungsberufs

Ich möchte das detaillierte Verfahren nun anhand eines Beispiels erklären. Betrachten wir dazu Mario, der sich gegen Ende seiner Schulzeit fragt, welchen Ausbildungsberuf er wählen soll. Er hat bereits eine Vorauswahl getroffen und schwankt nun zwischen den Berufen Maurer, Klempner, Industrieelektriker, Dachdecker und Maler. Als Kriterien für seine Entscheidung will er das Gehalt im ersten Lehrjahr, das Gehalt als Geselle, die Ausbildungsdauer, die ungefähre Anzahl freier Stellen, sein persönliches Interesse sowie seine Begabung für den Beruf berücksichtigen. Die letzten beiden Kriterien bewertet er mit ein bis fünf Punkten, für alle weiteren Kriterien hat er Zahlen im Internet recherchiert. Diese sind in Tabelle 1 dargestellt. Beachte, dass die Zahl der Ausbildungsjahre als negative Zahlen dargestellt sind, weil hier die Bewertung umgekehrt ist (je mehr Jahre, desto schlechter).

Außerdem muss sich Mario überlegen, wie er die Kriterien gewichten will. Um die Entscheidung möglichst objektiv zu gestalten, kann er jede Kombination aus zwei der sechs Kriterien betrachten und entscheiden, was ihm wichtiger ist. Die meisten Kriterien sind Mario gleich wichtig, aber er legt besonderen Wert darauf, dass es viele freie Stellen gibt und dass sein zukünftiger Beruf seinen persönlichen Interessen entspricht. In Tabelle 2 sind die einzelnen Vergleiche zwischen den Kriterien dargestellt. Daraus ergibt sich die Gewichtung der Kriterien aus Abbildung 1.

Tabelle 1: Fiktive Bewertungen der Ausbildungsberufe.
Tabelle 2: Vergelich der Kriterien zur Gewichtung.

Abbildung 1: Gewichtung der Bewertungskriterien als Ergebnis aus Tabelle 2.

Nun stellt sich die spannende Frage, welcher Ausbildungsberuf für Mario am besten geeignet ist. Dazu wird in meinem Excel-Tool der Nutzwert berechnet. Je höher dieser ist, desto besser ist die entsprechende Handlungsalternative. Zur schnelleren Erkennbarkeit gibt das Tool auch die Rangfolge der Alternativen an. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 dargestellt. Hier können wir erkennen, dass Mario – wie sollte es anders sein – Klempner werden sollte.

Tabelle 3: Nutzwert und Rang der bewerteten Ausbildungsberufe.

Damit sich Mario noch einmal die Folgen seiner Entscheidung bewusst machen kann, erstellt das Excel-Tool ihm ein Netzdiagramm, dass ich in Abbildung 2 dargestellt habe. Jede farbige Linie steht für eine Handlungsalternative. Jede Ecke des Netzes steht für ein Bewertungskriterium. Betrachten wir mal die orangene Linie, die für den Ausbildungsberuf des Klempners steht etwas genauer. In den Kategorien Talent und Interesse steht diese Linie bei 1. Das bedeutet, dass der Beruf des Klempners für diese Kategorien die beste Handlungsalternative darstellt. Leider können wir auch erkennen, dass die orangene Kurve bei den Kriterien der freien Stellen, der Ausbildungsdauer sowie dem Gehalt nach der Ausbildung sehr weit im inneren Bereich des Diagramms läuft. Für diese Kriterien ist der Klempnerjob eine schlechte Option. Beim Ausbildungsgehalt zeigt die orangene Linie einen Wert von 0,94. Dieses Gehalt entspricht also 94 % vom höchsten Ausbildungsgehalt aller betrachteten Berufe.

Abbildung 2: Netzdiagramm der Handlungsoptionen.

Ich hoffe, dass ich an diesem Beispiel das Konzept der NWA sowie die Funktionsweise meines Excel-Tools verdeutlichen konnte. Meiner Meinung nah liegt der größte Vorteil darin, Entscheidungen von hoher Komplexität zu vereinfachen und objektiver zu Gestalten. Allerdings gehen die persönlichen Vorlieben und Präferenzen nicht verloren, da eine unterschiedlich starke Gewichtung der Bewertungskriterien möglich ist. Ich werde demnächst mal eine etwas umfangreichere Nutzwertanalyse durchführen, um verschiedene PKW-Antriebskonzepte zu vergleichen.

Die frohe Botschaft KW 18/2020

In dem heutigen Beitrag möchte ich mal wieder positive Nachrichten aus Deutschland und der Welt verbreiten. Da die meisten von uns sicherlich noch immer mit der Corona-Situation beschäftigt sind, will ich auch heute wieder einen Blick auf die aktuellen Zahlen werfen und diese mit einigen anderen Statistiken vergleichen. Ich werde zeigen, dass in unserem Alltag viel größere Gefahren lauern, sodass ich anhaltende Panik und die Maßnahmen unserer Politik nicht (mehr) für gerechtfertigt halte.

Aktuelle Corona-Zahlen

In meiner Schätzung von letzter Woche hatte ich für den heutigen Tag mit 152.694 bis 160.911 jemals infizierten Corona-Patienten in Deutschland gerechnet. Tatsächlich wurden heute vom Robert-Koch-Institut (RKI) 157.641 jemals infizierte Personen angegeben. Ich lag mit meiner Schätzung also diesmal gar nicht schlecht. Ich habe die Daten des RKI wieder in Geogebra eingetragen (schwarze Punkte) und mithilfe einer logistischen Wachstumsfunktion (grüne Linie) den zeitlichen Verlauf modelliert (siehe Abbildung 1). Leider ist die modellierte Kurve für eine Zukunftsprognose (wieder einmal) nicht hilfreich, da die bereits heute gemeldeten Zahlen über der Prognose für nächsten Mittwoch liegen. Ich werde also wie schon in der letzten Woche einen Blick auf die Steigerung der Zahlen werfen. In den vergangenen sieben Tagen wurden 11.947 neue Infektionen gemeldet. Ich gehe wieder davon aus, dass diese Zahl für die kommende Woche nicht größer ausfällt, sodass wir am nächsten Mittwoch maximal 169.588 Infizierte gemeldet werden. Ich fürchte jedoch, dass auch in der nächsten Woche noch mindestens 750 Infizierte pro Tag hinzukommen. Damit wären wir am kommenden Mittwoch bei 161.391 gemeldeten Patienten.

Abbildung 1: Verlauf der Corona-Infektionen nach RKI

Ich möchte nun die Größenordnung dieser Zahlen mit anderen Krankheitsursachen ins Verhältnis setzen.  In Tabelle 1 ist die Anzahl der im Straßenverkehr verletzten Personen für die Jahre 2015 bis 2018 aufgeführt. Leider habe ich auf die Schnelle keine Zahlen aus 2019 gefunden. Insgesamt komme ich für die vier Jahre auf 1.560.048 Verletzte, was rechnerisch 1.068 Verletzte pro Tag entspricht. Zwar lagen hatten wir in der letzten Woche noch 60 % mehr Corona-Infizierte, allerdings geht die Steigerungsrate der Infizierten, anders als die der im Straßenverkehr Verletzten, rapide bergab. Wenn dieser Trend anhält, müssen wir uns also überlegen, ob wir nicht lieber die Geschäfte wieder öffnen und dafür den Straßenverkehr verbieten sollten. Ach neee, das funktioniert nicht – dann werden unsere Politiker nicht wiedergewählt.

Tabelle 1: Verletzte durch Verkehrsunfälle in Deutschland. Quelle (Stand: 29.04.2020)

Laut DGVU haben sich im Jahr 2018 insgesamt 877.198 Arbeitsunfälle in Deutschland ereignet. Das entspricht 2.403 Unfällen pro Tag. In diese Statistik fallen übrigens nur Unfälle, die so schwerwiegend sind, dass sie eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 3 Tagen oder den Tod des Unfallopfers zur Folge hatten. Da hilft nur noch eins: lasst uns das Arbeiten einstellen!

Ich möchte mit dieser Stelle die Lage bezüglich Corona nicht verharmlosen, denn jeder Infizierte und jeder Tote ist einer zu viel. Ich möchte aber davon abraten in Panik zu verfallen und halte die drastischen Maßnahmen, die unsere Freiheit massiv einschränken für nicht mehr gerechtfertigt.