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Bundestagswahlen

Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre…

In diesem Artikel möchte ich die aktuellen Umfrageergebnisse zur sogenannten Sonntagsfrage untersuchen und ein entsprechendes Excel-Tool zur Verfügung stellen, welches Ihr Euch wie immer am Ende dieses Artikels kostenfrei herunterladen könnt. Bei der Sonntagsfrage werden Personen gefragt, welche Partei sie mit der Zweitstimme wählen würden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären. Die Umfrageergebnisse aller großen Umfrageinstitute werden regelmäßig auf https://www.wahlrecht.de/umfragen/ veröffentlicht.

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen

Bevor wir in die weitere Analyse einsteigen, werfen wir einen Blick auf die aktuellen Umfragewerte, die ich in Tabelle 1 dargestellte habe. Als kleiner Disclaimer sei gesagt, dass ich weder Mitglied noch Sympathisant einer der im Bundestag vertretenen Parteien bin. Dennoch beteilige ich mich an den Wahlen, um für das geringste Übel zu stimmen. Ginge es nach mir würden wir unser Parlament erst einmal auf 200 Mandate verschlanken und eine maximale Mandatsdauer von zwei Legislaturperioden vorschreiben, sodass keine Berufspolitiker, sondern erfolgreiche Menschen aus der Praxis unser Land regieren. Aber ich schweife ab…

Tabelle 1: Aktuelle Umfrageergebnisse zur Sonntagsfrage. Quelle (Stand: 09.05.2020)

Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 hat die Union um etwa 5 % zugelegt. Die größten Gewinner sind jedoch die Wohlstands-Verhinderer der Grünen mit rund 8 %. Alle anderen Parteien haben in den letzten zwei Jahren Wählerstimmen verloren. Da die Ergebnisse der verschiedenen Umfrageinstitute natürlich ein wenig voneinander abweichen, werde ich nachfolgend die Mittelwerte aus Tabelle 1 benutzen. Dazu fragt mein Excel-Tool automatisch die neusten Umfrageergebnisse von der o.g. Website ab und berechnet die in Tabelle 2 dargestellten Mittewerte. Außerdem erfolgt eine Prüfung ob ggf. eine der aufgeführten Parteien an der 5 %-Hürde scheitert. Das Tool geht davon aus, dass alle Parteien, die unter „Sonstige“ zusammengefasst werden, unter 5 % liegen und somit ebenfalls nicht in den Bundestag einziehen können. Damit lässt sich berechnen, wie viel Prozent benötigt werden, um die absolute Mehrheit zu bekommen. Wir erkennen, dass die FDP nur sehr knapp über 5 % liegt. Würde sie ein weiteres Prozent der Stimmen verlieren, hätte dies auch Auswirkungen auf die notwendigen Stimmen für eine absolute Mehrheit. Um dies zu verdeutlichen, habe ich in Tabelle 3 der FDP 1 % abgezogen und die Werte der anderen fünf Parteien um je 0,2 % erhöht. Nun sind nur noch rund 44,8 % anstatt 47,1 % für eine absolute Mehrheit erforderlich.

Tabelle 2: Mittelwerte der Umfrageergebnisse.
Tabelle 3: Alternatives Szenario mit FDP unter 5 %.

Welche Koalitionen sind möglich?

Nun interessiert uns natürlich, welche Parteien in einer Koalition gemeinsam die absolute Mehrheit erreichen können. Dazu werde ich nachfolgend sowohl die „echten“ Daten aus Tabelle 2 als auch das alternative Szenario ohne FDP aus Tabelle 3 betrachten. In der nachfolgenden Tabelle sind die Kombinationen von zwei Koalitionspartnern dargestellt (auch wenn es nicht ganz korrekt ist, zähle ich CDU und CSU als eine Partei). Die grün markierten Zellen weisen auf Koalitionen hin, die rechnerisch die absolute Mehrheit erwirken können. In Tabelle 4 findest Du die Ergebnisse aus den originalen Umfragedaten und in Tabelle 5 analog das alternative Szenario ohne die FDP.

Tabelle 4: Mögliche Koalitionen (grün) auf Grund der originalen Umfrageergebnisse.
Tabelle 5: Mögliche Koalitionen (grün) im alternativen Szenarion ohne die FDP.

Wir erkennen, dass durch das Ausscheiden der FDP eine weitere Koalition zwischen Union und Linkspartei möglich wird. Eine solche Allianz wäre sicherlich verstörend, aber angesichts der Vorfälle nach der Landtagswahl in Thüringen sicher nicht undenkbar. In dem Excel-Tool gibt es außerdem die Möglichkeit alle Kombinationen von drei Parteien durchzurechnen. Allerdings wird die Tabelle dadurch sehr groß, sodass ich sie hier nicht darstellen möchte.

Meine Meinung zu unserer Parteienlandschaft

Abschließend möchte ich einen kleinen Kommentar zu den von mir favorisierten Koalitionen. Ich hatte bereits erwähnt, dass mich keine der im Bundestag vertretenden Parteien überzeugt. Die AfD legt zwar häufig den Finger zu Recht in die Wunden der etablierten Parteien, fordert aber auch die Wiedereinführung der Wehrpflicht und hat einige wenige politische Spinner in ihren Reihen. Die Union, für die Internet Neuland ist, ist nur darauf bedacht, das Geld den Großkonzernen zuzuschieben, vernachlässigt aber die innovativen kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie die Forschung an Zukunftsthemen. Die FDP ist zwar nicht ganz so konservativ, aber für eine echte liberale Partei dann doch nicht freiheitsliebend genug. Wenn es hart auf hart kommt, fügt sie sich doch wieder dem Willen der altmodischen Union. SPD, Grüne und Linkspartei bilden für mich einen gemeinsamen sozialistischen Block, in dem es kaum Unterschiede gibt. Alle drei Parteien sind darauf bedacht, den Wohlstand schaffenden Menschen in unserer Gesellschaft Steine in den Weg zu legen und die Planwirtschaft in Deutschland weiter zu etablieren. Welche Partei wähle ich also? Ich nehme die Partei, die eine Bildung von Koalitionen erschwert. In diesem Fall wäre es die FDP, damit das von mir skizzierte Alternativszenario nicht eintritt. Ich möchte damit erreichen, dass es nach der Wahl möglichst lange dauert, bis sich eine Koalition gebildet hat, die neue Schwachsinns-Gesetze über uns ausschütten kann. Meine Idealvorstellung wäre eine Minderheitsregierung. Ich bin davon überzeugt, dass in wirklich schweren Krisen auch Parlamente mit Minderheitsregierungen Mehrheitsbeschlüsse erzielen können, aber eben nur für wirklich wichtige Maßnahmen in dringenden Fällen. Das bedeutet natürlich, dass unsere Abgeordneten wieder ernsthaft miteinander diskutieren müssten, anstatt Ideologien der regierenden Parteien politisch durchzudrücken.